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Lexikon
Schéin Chrëschtdeeg!

Luxemburg. Dass in Luxemburg auch an Heiligabend noch eingekauft werden darf, hat einen besonderen Grund, nämlich eine religiöse Tradition. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Nun ist es endlich so weit, das Weihnachtsfest (Chrëschtdag) steht vor der Tür. Doch mit Blick auf die Weihnachtseinkäufe gibt es über die Grenze bereits Unterschiede. So sind im Großherzogtum der 25. und 26. Dezember die Hauptfeiertage. Folglich ist der Heiligabend ein ganz normaler Tag in Luxemburg.

Dass er in diesem Jahr kalendarisch auf einen Sonntag fällt, stört die Luxemburger wenig. Denn dort darf in diesem Jahr an jedem Sonntag im Dezember fleißig geshoppt werden. Was bei uns in Deutschand vielleicht als Zumutung für die dortigen Beschäftigten im Handel gesehen wird, gilt dort vielfach als selbstverständlich, wären die Geschäfte an einem Werktag am 24. Dezember ja ohnehin geöffnet.

Hintergrund dafür ist die einst streng katholische Tradition Luxemburgs. Während in Deutschland aufgrund der Reformation die evangelischen Christen mit dafür gesorgt haben, dass der Heilige Abend (Chrëschtowend, Helleg Owend) zum Tag des Kinderbeschenkens und damit zumindest teilweise zum Feiertag wurde, halten sich die Luxemburger streng an den traditionell katholischen Brauch, erst am Weihnachtsmorgen das Fest der Feste zu begehen. Denn schließlich ist der Heilige Nikolaus den Katholiken zufolge am Abend des 5. Dezember dafür zuständig, die Kinder zu beschenken, in manchen Gegenden auch allein oder zusätzlich zu den Heiligen Drei Königen.

Und so halten sich die Luxemburger an die Tradition und öffnen an Heiligabend nochmals ihre Geschäfte. Denn eine Chrëschtmetten, also Christmette, gibt es meist erst gegen Mitternacht. Und so ist die Nacht vor dem Weihnachtstag, die Chrëschtnuecht, als Nacht der Wunder und Vorzeichen im Volksglauben bekannt.

Nur eine wichtige Tradition der Protestanten haben auch die Luxemburger Katholiken mit übernommen: die des Chrëschtbäämchens (Weihnachtsbaums). Eines sollten Sie beachten: Wer vom Chrëschtkand spricht, der spricht meist im übertragenen Sinn vom einem einfältigen Menschen, weshalb das wahre Jesuskind gern in der Verkleingerungsform Chrëschtkëndchen benutzt wird.

Ich wünsche allen Luxemburgisch-Lernern und eifrigen Lexikon-Lesern „Schéin Chrëschtdeeg!

Mehr aus dem Lëtzebuergeschen gibt es im Buch „Luxemburger Allerlei – Wissenswertes für Anfänger und Fortgeschrittene“ von Sabine Schwadorf, Verlag Michael Weyand, 14,80 Euro.

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