Ein Abstecher in die Heimat von Camillo Felgen und Désirée Nosbusch

Trier · Eine der bedeutungsvollsten Regionen des Großherzogtums in der jüngeren Vergangenheit ist de Minett. Hierbei handelt es sich um eine Gegend vum Guttland (des Gutlands) im Südwesten Luxemburgs.


Die Minettsgéigend (Minettsgegend) wird auch Terre Rouge, also rote Erde oder rotes Land genannt. Das im Erdboden befindliche eisenhaltige Erz, das auch Minett genannt wird, verleiht der Erde ihre typisch rostbraune (raschtbrong) Farbe.

Der Hauptort im Minett ist Esch-Alzette (Esch-Uelzecht), die Hauptstadt des Südens. Berühmtester Sohn der Stadt ist wohl der 2005 verstorbene Sänger sowie Radio- und Fernsehmoderator Camillo Felgen, berühmteste Tochter der Stadt Moderatorin und Multi-Sprachentalent Désirée Nosbusch.

Noch bis in die 1970er Jahre hinein dominierte in der Minettsgegend die Schwerindustrie, die dem Großherzogtum zu Wohlstand verhalf. Von 27 000 Beschäftigten bei Arbed im Jahr 1974 sind heute beim Stahlriesen Arcelor Mittal im Großherzogtum laut Unternehmen gerade noch 6200 Menschen in Lohn und Brot. Von der einstigen Boombranche Stolindustrie (Stahlindustrie) ist nicht mehr viel übrig.

Im Stadtbild der großen Gemeinden wie Déifferdeng (Differdingen), Esch-Uelzecht und Diddeleng (Düdelingen) erkennt man die glorreichen Zeiten lediglich noch an den Arbeitersiedlungen und - zum Leidwesen der Regionalentwickler - an der Industriebrache wieder. Allerdings tut sich im Süden des Landes auch eine Menge. Beispiel Esch-Belval: Auf dem brachliegenden ehemaligen Hochofengelände mit Ausnahme des Walzwerkes entstehen vier neue und neu konzipierte Stadtviertel. Zur Umwandlung der 120 Hektar Industriebrache gehören die Konzert-Arena "Rockhal", ein 450 Meter langer Tunnel zum französischen Autobahnnetz, ein Neubau der Dexia-Bank, Neubauten der Universität Luxemburg am Standort Esch-Alzette (Unterrichts-Beginn voraussichtlich 2014), der grenzüberschreitende Wissenschaftspark Trilux in Kooperation mit der Stadt Trier sowie Wohnungen, Arbeitsplätze und Geschäfte für bis zu 7000 neue Einwohner und etwa 27 000 Beschäftigte.

Ob diese dann auch Minettsdäppen genannt werden, bleibt noch abzuwarten. Dieser Name, den der Volksmund für die Einwohner aus dem Süden kennt, lässt sich auf unterschiedliche Ursprünge zurückführen. Demnach sollen die Bergarbeiter (Biergaarbechter) zwar hart haben arbeiten müssen, sie sollen aber auch gern ausgelassen gefeiert haben, also einem Dilldopp ähnlich. Andere dagegen meinen, dass der Name Minettsdäpp auf das oberschlesische Wort "däppig", also nicht ganz bei Trost sein, zurückgeht. Denn Oberschlesische Aussiedler waren die ersten luxemburgischen Bergleute und haben den Begriff demnach ins Luxemburgische eingeführt. Das brachte ihnen wiederum den Spottnamen "Minettsdäpp" ein. (sas)
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