Teil 84: Hien ësst mir d’Zopp vum Kapp

Teil 84: Hien ësst mir d’Zopp vum Kapp

Im Bezug auf Körperwachstum spielt der Kapp (Kopf) im Luxemburgischen eine wichtige Rolle.

Beispiele:
Séng Kanner sin em iwwert de Kapp gewuess
seine Kinder sind größer geworden als er, auch: seine Kinder lassen sich nichts mehr vorschreiben

En as e ganze/gudde Kapp méi grouss/héich ewéi ech
er ist einen ganzen Kopf größer als ich

Hien ësst mir d'Zopp vum Kapp
wörtlich: er isst mir die Haare vom Kopf, übertragen ist klüger

E stéisst/kënnt mam Kapp uewe widder
er stößt mit dem Kopf oben gegen

D'Arbecht as mer iwwer de Kapp gewuess
ich komme der Arbeit nicht mehr nach

Auch bei bildlichen Redensarten ohne einen bestimmten Bezug kommt der "Kopf" immer wieder vor. Beispiele:
Ech loosse mer op de Féiss danzen, awer nët um Kapp
ich lasse mir ja schon viel gefallen, aber jetzt reicht's

Si hun d'Hänn um Kapp zesummegeschloën
sie waren bass erstaunt

‚t as firm am Kapp duurch eng Scheierpaart ze rennen/firm am Kapp duurch d'Mauer ze lafen/firm am Kapp an eng Auberge zu lafen/ fir sech de Kapp mat Weiden zouzebannen
es ist zum Verzweifeln, wörtlich: man könnte mit dem Kopf durch ein Scheunentor zu laufen/ mit dem Kopf durch die Wand rennen/ mit dem Kopf in eine Herberge zu laufen/sich den Kopf mit Weidenruten zubinden

En huet mer et op de Kapp zou behaapt
er hat es mir auf den Kopf hin zugesagt, beteuert

Wat huet deen Tricken am Kapp!
Was hat der für Flausen im Kopf!

En huet soss näischt am Kapp wéi den Amusement
er denkt nur ans Vergnügen

‚T as näischt géint siwenzeg, do sin d'Käpp ewechgeflunn/du sin d'Leit ouni Käpp gelaf als Trost oder zur Abmilderung, in Anspielung auf den Krieg 1870, wörtlich: das ist ja nicht im Vergleich mit ‚70, damals sind die Köpfe weggeflogen

Den muttersprachlichen Part übernahm Herr Fred Casagranda.