1. Meinung

Ein Gefühl von Geborgenheit

Ein Gefühl von Geborgenheit

Der Garten ist zum Wohnraum geworden. Doch erst mit der richtigen Raumbildung kommt Wohlfühlatmosphäre auf. Pergola, Laubengang und Pavillon sind drei leichte Konstruktionen, die sich effektvoll zur Gestaltung einsetzen lassen.

Die Trierer barmherzigen Schwestern vom Heiligen Borromäus haben sie. Die weltgrößte Gartenschau Chelsea in London kam auch zum diesjährigen 100-jährigen Jubiläum nicht ohne sie aus: die Pergola. Als Konstruktion aus Stützen und Pfeilern, Tragholz und Sparren ist sie eines der wichtigsten Gestaltungselemente zur Raumbildung. Eine Pergola gliedert. Sie schützt vor Sonne und unerwünschter Einsicht.
Je nach Ausführung überdacht die Pergola einen Sitzplatz oder wird zum Wandelgang. Mit Pflanzen berankt, ist sie saisonaler Hingucker.
Tritt der architektonische Aspekt gegenüber dem pflanzlichen zurück, spricht man von einem Laubengang. Sein entscheidendes Kriterium sind Kletterpflanzen, die auch die Seiten schließen. Gerne eifert man dem bekanntesten Beispiel des von Eisenbögen überspannten Hauptwegs in Claude Monets Gärten im französischen Giverny nach. Blütenreich hangeln sich Kletterrosen die Verstrebungen empor und lassen ihre duftenden Buketts von hintereinander geschalteten Rosenbögen hängen. Am Boden bleibt Platz für das Fußvolk aus Rosenbegleitern.
Solch doppelgeschossiges Gärtnern bietet sich auch in kleineren Gärten an. Wo wenig Platz ist, erweitert man auf elegante Art die Gestaltungsfläche. Vorraussetzung: Die Proportionen stimmen.
Je größer eine Fläche ist, umso massiver darf die Konstruktion sein. In Weinbaugebieten bilden Schieferplatten oder Granitstelen schon mal die Träger für Holzverstrebungen, die mit Wein berankt sind. Im städtischen Umfeld kann eine filigraner wirkende Konstruktion aus Metallstreben die passende Variante sein.
Vorlesen im Schatten


Und was tut man, unter Glyzinienbaldachin und Jelängerjeliebergeranke? Ursprünglich dienten Laubengang und Pergola der "körperlichen und geistigen Ertüchtigung". Im Schatten überdachter Kolonnaden trieben die Griechen der Antike Sport. Den Wandelgang übernahmen die Römer, ließen es aber lockerer angehen und schritten ins Gespräch vertieft auf und ab. Dabei las man sich gegenseitig aus gescheiten Büchern vor.
Zur Lektüre zieht man sich heute lieber an einen lauschigen Aufenthaltsort zurück. Paradebeispiel ist der Pavillon. Auch er staffiert den Garten mit einem dekorativen, raumbildenden Element aus. Wie Pergola und Laubengang betont ein Pavillon Hauptlinien, schafft Sichtachsen, eignet sich zur Begrünung und bringt großes Kino in 3-D-Format in den Garten. Beispiel: Wetterfilm. Im Schutz des Sommerhäuschens ist man Teil der Natur und kann selbst einen Regenschauer betrachtend genießen. Bei Sonnenschein lädt ein Pavillon erst recht zum Verweilen ein.
Kein Wunder, dass die im 17. Jahrhundert zu Tee und damit Reichtum gelangten Niederländer die Idee des Teepavillons aus China übernahmen. Ein Chinese allerdings sucht einen Pavillon auch aus rein ästhetischem Empfinden heraus auf. Der perfekte Blick auf eine blühende Magnolie in einer Vollmondnacht ist Grund genug, einen Pavillon aufzustellen.
Das sagt dem Gestalter: Platziere den Pavillon so, dass er zur Beobachtungswarte wird und wähle die umstehende Pflanzung mit Blick aus dem Pavillon heraus.