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Eine Badewanne für die Königin

Eine Badewanne für die Königin

Schwimmen ist das Thema im Monat August. Auf elegante Art macht es die Seerose im Garten vor. Damit man mit der "Königin der Wasserpflanzen" nicht baden geht, sollte man auf Namenssorten und deren Wassertiefe achten. Der TV hat sich bei Seerosenspezialist Matthias Großmann umgesehen.

Hameln. Eine Zinkwanne aus vergangenen Tagen wird so mancher in Eifel, Hunsrück und an der Mosel noch aus dem Keller oder Schuppen zaubern können. Immer wieder werde er gefragt, ob denn so eine Zinkwanne oder ein halbiertes Weinfass auch als Terrassenteich möglich sei, erzählt Matthias Großmann. Er ist der Enkel des bekannten Seerosenzüchters Fritz Junge, nach dem eine der verlässlichsten Seerosen benannt ist. Notfalls im Maurerkübel

Der Hamelner Pflanzenzüchter in vierter Generation wird bei einem Informationsrundgang durch seine Staudengärtnerei punkt 16 Uhr auf die pfirsichfarbene Seerose zurückkommen. Jetzt sagt er erst einmal: "Ja, ab einer Wassertiefe von 25 bis 30 Zentimetern kann man eine Seerose sogar im Maurerkübel unterbringen." Wichtig sei ein vollsonniger Standort, "wenn sie blühen soll". Außerdem müsse man sich an die angegebenen Pflanztiefen halten. Sitzen Seerosen für ihre empfohlene Wassertiefe zu flach, schieben sie die Blätter weit übers Wasser und verdecken so die Blüten. Zu tief gesetzte Seerosen schaffen es nicht, ihre Blüten bis an die Oberfläche zu strecken.Praktische Halbzwerge

Ideal für Kübel und kleinere Wasserbecken sind sogenannte Halbzwerge. Laydekeri ist solch eine Hybride. Bei Seerosenfreunden, die ihren Feierabend auf Balkon und Terrasse verbringen wollen, gehört sie zu den Favoriten. Ihre karminroten Schalenblüten sind bis spät abends geöffnet. "Jetzt ist es 16 Uhr", sagt Matthias Großmann, "was um diese Zeit geschlossen hat, kann man vergessen." Da lobe er sich die Fritz Junge: "Steht früh auf, geht spät schlafen" und lasse ihre leicht duftenden Blüten - für Seerosen untypisch - sogar bei schlechtem Wetter geöffnet. "Allerdings braucht sie Wasserstände bis einem Meter." Zu den wuchsstärkeren Arten für größere Teiche gehören auch zwei herausragende Beispiele in der Trendfarbe Apricot. Sternförmig stehen die mittelstark wachsende Sorte Colorado und die starkwüchsige Sunny Pink für größere Teiche über dem Wasser. "So gehört sich das", meint Großmann über das neue Züchtungsziel aus dem Wasser ragender Blüten.Zeit der Düngung

"Wenn Sie was für kleine Teiche suchen, ist die weiße Walter Pagels mit dem rosa Schimmer hier schick", empfiehlt der Wasserpflanzenspezialist beim Spaziergang durch die Teichanlage. Eine Teilnehmerin erzählt, sie habe eine groß- und eine kleinblättrige Seerose, und will wissen, warum die kleinblättrige nie blühe. "Vielleicht braucht sie Futter", sagt der Experte. Üblicherweise erfolgt das Düngen vor dem Austrieb über Düngekugeln oder -kegel. "Die muss man direkt an die Rhizome bringen", erklärt Großmann. Spätestens nach zwei bis drei Standjahren sollte sich die Seerose jedoch von den Nährstoffen im Wasser ernähren. "Wer viele Seerosen pflanzt, hat keine Algen mehr", verspricht der Geschäftsmann, muss aber doch zugeben, dass es in kleineren Pflanzgefäßen mit Wassertiefen bis 30 Zentimeter an heißen Augusttagen schon mal zu warm im Wasser werden kann. "Je wärmer das Wasser ist, desto mehr Algen können wachsen." Dann müsse man angeln statt baden gehen, und fischt die Algen mit der Hand aus der Zinkwanne. Extra

Ein Rhizom bezeichnet in der Botanik ein meist unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsensystem, das oft von schuppigen Niederblättern umgeben ist, in dem Reservestoffe gespeichert sind und von dem nach unten die eigentlichen Wurzeln, nach oben die Blatttriebe ausgehen - beispielsweise das Knollengeflecht von Staudengewächsen wie der Kartoffel. Quelle: uni-protokolle.de