1. Meinung

Lebendige Strukturen im Garten

Lebendige Strukturen im Garten

Laubhecken sind für den Garten das, was im Haus die Wände darstellen. Sie gliedern, geben Sichtschutz und halten den Wind ab. Als lebendige Mauern tapezieren sie sich jedes Jahr aufs Neue mit Blatt und Blütenschmuck. Damit die Blüte üppiger ausfällt und die Wuchsform ansprechend wirkt, lohnt sich ein Schnitt. Für einige Heckenpflanzen ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Viele Hobbygärtner fragen sich mit Beginn der neuen Gartensaison, wo sie die Gartenschere ansetzen müssen und ob sie jetzt überhaupt noch Hecken schneiden dürfen. Das aus Naturschutzgründen verhängte Schnittverbot für Hecken ab dem 1. März gilt nicht für Gartenhecken. Form- und Pflegeschnitt darf man im Privatgarten ganzjährig durchführen. Allerdings ist der Artenschutz zu beachten. Haben sich Vögel bereits ein Nest in der Hainbuchenhecke gebaut oder brüten in der Kirschlorbeer-Hecke, verschiebt man den Schnitttermin besser auf einen späteren Zeitpunkt.
Über einen Kamm lässt sich sowieso nicht alles scheren. In der Blütenhecke finden sich Sträucher mit unterschiedlichen Blühterminen. Danach richtet sich der Schnitt. Schaut man die bereits dick geschwollenen Knospen der Frühlingsblüher wie Forsythien, Ranunkelstrauch und Blut-Johannisbeere an, kann man sich vorstellen, dass diese erst nach der Blüte geschnitten werden. Mit einem zu frühen Schnitt würde man sich ihres Blütenflors berauben.
Blütenwunder nach Rückschnitt


Frühsommerblühern dagegen entfernt man überalterte Zweige zwischen Dezember und März. So kann man in der Blütenhecke von Pfeifenstrauch, der auch als Gartenjasmin bekannt ist, Weigelie, Kolkwitzie und Schneeball alle drei Jahre ein Drittel der alten Haupttriebe dicht über dem Boden wegnehmen, um jungen, blühfreudigen Trieben Platz zu machen. Kürzt man sie nur ein, reagieren sie mit unschönem Besenwuchs. Das liegt an einer arttypischen Eigenschaft: Felsenbirne, Haselnuss und Co. verzweigen sich an der Schnittstelle und wachsen genau dort kräftig weiter. Das bringt reichlich Blattmasse, aber wenig Blüten.
Anders ist das bei sommer- und herbstblühenden Gehölzen. Sie blühen am frischen, diesjährigen Holz und werden am besten halbkugelförmig getrimmt. Sobald keine starken Fröste mehr drohen, regt ein Schnitt die Pflanzen an, viele Neutriebe zu bilden. Wer sie um diese Zeit je nach Alter bis auf ein Drittel über dem Boden kappt, bekommt im Sommer wahre Blütenwunder zu sehen. Gerade für kleine Blütenhecken an der Terrasse sind Bartblume und Johanniskraut-Sträucher äußerst beliebt. Einen starken Rückschnitt vertragen auch Fingersträucher und Polsterspieren um diese Zeit. Allerdings sollte er als Verjüngungsschnitt nur alle drei Jahre erfolgen. In den anderen Jahren schneidet man lediglich alles Verblühte weg.
Während alle frei wachsenden Blütengehölzhecken auch ohne Schere klarkommen würden, lebt die Formschnitthecke vom regelmäßigen Schnitt. Buchen- und Hainbuchen sowie Feldahorn sind beliebte Heckenpflanzen. Will man sie radikal verjüngen, ist der März eine günstige Zeit. Für eine strenge Formgebung erfolgt der Schnitt vor Ende Juni und ein zweiter im August. Die Berberitze kommt erst im Herbst dran. Liguster und Weißdorn lassen sich durch regelmäßigen Schnitt im Sommer als schmale Wand in Form halten. Unter den immergrünen Laubgehölzen fällt der Schnitt ebenfalls erst im Sommer an. Lediglich erfrorene Triebe von Lorbeer-Kirsche oder Glanzmispel werden im Frühjahr ausgeschnitten.
Extra

Für Formschnitthecken aus Scheinzypresse, Lebensbaum und Fichte fällt der Schnitt erst im Sommer an. Säulenformen brauchen meist überhaupt keinen Schnitt. Die Eibe ist das einzige Nadelgehölz, das auch aus dem alten Holz austreiben kann. Hier ist ein radikaler Schnitt im Vorfrühling möglich, wenn eine alte Hecke verjüngt werden soll. Bei allen anderen Nadelgehölzen dagegen bleiben nach einem Rückschnitt ins alte Holz Kahlstellen zurück. Hier sollte man immer nur die jungen Triebe bis auf kurze Stummel einkürzen. kat