1. Meinung

Lebensraum für Bienen und Hummeln

Lebensraum für Bienen und Hummeln

Bienen, Hummeln und andere Hautflügler sind als Nützlinge willkommen. Doch in einer ausgeräumten und zunehmend versiegelten Landschaft wird der Wohnraum knapp. Hier kann der Garten einspringen. Besitzer eines Insektenhotels schwärmen: Nirgendwo lässt sich das Treiben besser beobachten.

Gärten können Wildbienen, Hummeln und verwandten Arten neuen Lebensraum erschließen. Die Nistmöglichkeiten sind vielfältig. Eine Trockenmauer aus Naturstein bietet Nischen und Fugen. Selbst locker aufgeschichtete Steinhaufen können Unterschlupf bieten. Die zweifarbige Mauerbiene zieht sich lieber in ihr Schneckenhaus zurück. Sie baut verlassene Häuschen von Schnirkelschnecken zur Kinderstube um. Findet man leere Schneckenhäuschen, kann man sie gezielt auslegen.Dekorativ und einfach gemacht

Andere Arten brauchen morsches Holz. Ein Haufen von Totholz ist in einem abseits gelegenen Gartenteil vorstellbar. Im Sichtfeld der Terrasse wünscht man sich dekorativere Nistplätze. Der Handel hat darauf mit hübschen Funktionshäuschen reagiert. Solche Nisthilfen lassen sich leicht selber fertigen. Beliebt bei vielen Wildbienen sind markhaltige Stängel. Königskerzen und Kugeldistel beispielsweise liefern den begehrten Baustoff. Die Halme bündelt man am besten zu Nistblöcken. Das Reetdach von früher kann man mit gebündeltem Schilfrohr imitieren. Schilfmatten bekommt man in jedem Baumarkt. Aus dem eigenen Garten fallen vielleicht Holunderzweige an. Und auch wenn die Himbeersträucher nach der Ernte ausgelichtet werden, hat man perfektes Nistmaterial.Häufig sieht man mit Bohrlöchern versehene Harthölzer. Die meisten Hautflügler können ihre Brutröhren nicht selber bohren. Sie müssen darauf warten, dass ihnen Käfer ihre Bohrgänge überlassen. Doch auch Käfer werden rarer. Dem Fachkräftemangel kann abgeholfen werden: Schon Kinder können unter Anleitung Löcher in eine Baumscheibe bohren. Die Löcher sollten fünf bis zehn Zentimeter tief sein und unterschiedlich groß. Von den vielen Arten brauchen die einen zwei Millimeter große Gänge, andere suchen Röhren mit bis zu zehn Millimeter Durchmesser. Wie die Zimmer in einem Hotel kann man unterschiedliche Holzblöcke und Baumstammscheiben zu einem Insektenhotel zusammenstellen. Unter dem gemeinsamen Dach haben auch andere Nistvarianten Platz. Neben der Ziegelstein-Suite sind Florfliegen im Schlaflager untergebracht. Die Nützlinge benötigen lediglich eine Kammer voll Holzwolle. Die Larven der Florfliegen heißen zu Recht Blattlauslöwen. Jede Einzelne vertilgt während ihrer acht- bis zehntägigen Lebensphase bis zu 500 Blattläuse. Wildbienen, Hummeln und andere Hautflügler, denen die immer wichtiger werdende Rolle zukommt, Pflanzen zu befruchten, ernähren sich von Blütennektar und Pollen. Ein vielfältiges Angebot an Futterpflanzen darf man im Garten daher nicht vergessen. Was man von Urlaubsreisen in exklusive Ferienziele kennt, trifft auch beim Insektenhotel zu: Die beste Ausstattung und der schönste Platz nutzen nichts, wenn das Essen zu wünschen übrig lässt. Extra

Beim Gartenerlebnistag bei Christiane Reichert kann man im Hunsrückort Kommen zum Bauherrn eines Insektenhotels werden. Die Idee, einen Workshop anzubieten, geht auf eine Initiative vor zwei Jahren zurück: Den Erlös ihres Gartenfestes spendete die ausgebildete Gartengästeführerin Christiane Reichert damals für zwei große Insektenhotels, die an der neuen Streuobstwiese in ihrem Heimatort Kommen und am Fußweg nach Longkamp stehen. Seitdem erleben Spaziergänger den Einzug der Insekten mit. Die Begeisterung ist so groß, dass immer wieder Anfragen nach dem Wie und Warum gestellt werden. Daraufhin hat Reichert in diesem Jahr einen Workshop organisiert. Er findet am 27. Juli statt. Den Teilnehmern wird ein Insektenhäuschen als Grundgerüst zur Verfügung gestellt. Im Kurs gestalten sie die Nisträume unter Anleitung aus. Interessierte können sich bis 19. Juli für die Veranstaltung von 14 bis 18 Uhr telefonisch unter 06536/8458 oder per E-Mail reichert.christiane@gmx.de anmelden. Die Kosten betragen 25 Euro. Weitere Infos zum Sommerfest im naturnah gestalteten Garten unter land-frauen.de