Mein garten

Als Hildegard von Bingen von der Grünkraft sprach, muss sie den Löwenzahn vor Augen gehabt haben: Den jungen Wilden, wie er im eigenen Garten bisweilen aus der letzten Ritze sprießt. Ganz offensichtlich besitzt er "viridatis".

Die "Kraft des Grüns" steht für Lebensfrische und Gesundheit. Die Volksseele drückt es etwas plastischer aus und spricht vom "Bettsäächer". Heilkundlich formuliert, entwässert der Löwenzahn stark. Oder wie unsere französischen Nachbarn sagen "Pissenlit" (Nässe ins Bett). Sie waren es auch, die zahlreiche Sorten des beliebten Frühlingsgemüses auslasen und seine Bitterkeit durch Bleichen reduzierten. Dabei gelten gerade die Bitterstoffe als das Besondere der Wildpflanze für die Frühjahrskur. Sie regen den Speichelfluss und die Verdauungssäfte an. Sie wirken appetitanregend, entgiftend und kurbeln den Stoffwechsel an. Indem sie das Insulin im Blut senken, reduzieren sie den Heißhunger auf Süßes. Unter Spitzenköchen ist das Bittere längst als "cuisine brute", die wilde, ursprüngliche Küche entdeckt worden. Der Anbau im Garten beginnt mit der Aussaat von Mai bis Juni. Geerntet wird im darauf folgenden Jahr, also genau um diese Zeit. Im Elsass habe ich gesehen, wie bereits Anfang Februar Stroh um die Rosetten gelegt wird. Das würde meinen selbst versamten "Unkräutern" sicher auch gut bekommen. Meist wurzeln die Rosetten geradezu trichterförmig in der Erde. Beim Ausstechen halte ich eine Hand voll erdverschmierter Innenblätter in der Hand. Auf Stroh gebettet blieben sie, ähnlich Erdbeeren, sauber. Wer die "Gelbkraft" des Löwenzahns liebt, deckt die Bettsäächer vor der Ernte für ein paar Tage mit lichtundurchlässigen Töpfen ab. Sie haben eine Frage an unsere Gartenexpertin Kathrin Hofmeister? Schreiben Sie bitte an garten@volksfreund.de Die für alle Hobbygärtner spannendsten Fragen werden im Volksfreund beantwortet. Mehr dazu unter volksfreund/garten Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie im Internet: <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/kolumne" class="more" text="www.volksfreund.de/kolumne"%>Extra

Noch bis zum 5. April finden die "Schnäägischen Naturpark-Bettsäächertage" im Naturpark Saar-Hunsrück statt. In dieser Zeit bieten teilnehmende Gastronomiebetriebe "Kulinarisch-Kreatives" mit Löwenzahn an. Einen "Bettsäächer-Bauernmarkt" organisiert die Naturpark-Gemeinde Mettlach-Weiten an diesem Sonntag, 29. März. Das komplette Programm mit Kräuterwanderungen und alle Informationen gibt es unter <%LINK auto="true" href="http://www.naturpark.org" class="more" text="www.naturpark.org"%> oder telefonisch in der Geschäftsstelle des Naturparks in Hermeskeil unter 06503/92140. kf