mein garten

Immer dann, wenn ich zum Essen verkünde, heute würden wir uns neue Geschmackswelten erschließen, wird meine Familie hellhörig. So wie neulich: Im Gewürzschrank waren mir die orangegelben Fäden in dem alten Apothekerfläschchen mit der Aufschrift "Safran" ins Auge gesprungen.

Eigene Ernte vom vergangenen Herbst. Sie mussten schleunigst getestet werden. Denn schon in drei, vier Wochen blüht der lilafarbene Safrankrokus (Crocus sativus) wieder im Vorgarten. Dann liefern die orangeroten Narben mit etwas Glück - sprich: Sonnenschein - Nachschub. Das Haus war bereits erfüllt von dem feinen Duft des Gewürzes, mit dessen Goldpuder sich Kleopatra geschminkt haben soll. Nur der Reis wollte nicht die gelbe Farbe des Safranfarbstoffes Crocin annehmen. Dadurch wiederum ließen sich die Mitkoster nicht davon überzeugen, dass das Gewürz einst mit Gold aufgewogen worden war. Eher schon vermuteten sie eine Verfälschung, wie sie der römische Militärarzt Dioskurides beklagte. Im Mittelalter stand nicht nur das Fälschen von Safran unter Strafe - man streckte das Pulver häufig mit orangegelben Ringelblumenblüten, die ich gerne in den Salat streue. In Spanien war die Ausfuhr des Anbaumaterials verboten. In die Schweiz soll die erste Safranzwiebel in einem Haarzopf geschmuggelt worden sein. Heute muss sich niemand mehr solcher Tricks bedienen. Schwer zu bekommen sind Safrankrokusse aber immer noch. "Macht nichts", denkt sich die Essgemeinschaft. Wir haben beschlossen, lieber noch ein paar Herbstkrokusse zu pflanzen, die leichter zu kultivieren sind. Wie ihre frühlingsblühenden Verwandten werden sie jetzt im Herbst gesetzt. Sie haben eine Frage an unsere Gartenexpertin Kathrin Hofmeister? Schreiben Sie an garten@volksfreund.de. Die für alle Hobbygärtner spannend sten Fragen werden im Volksfreund beantwortet. Mehr dazu unter www.volksfreund.de/garten Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne