1. Meinung

Mensch ... Adolf Sauerland

Mensch ... Adolf Sauerland

Ein Jahr lang haben Sie nun herumlaviert, wahrscheinlich in der Hoffnung, mit jedem Tag werde die Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe in Duisburg ein wenig mehr verblassen - und damit auch die Rücktrittsforderungen an Sie als Oberbürgermeister. Das war ein Irrtum.

Ihre Bürger sind dabei, Ihnen den Stuhl, an dem Sie kleben, einfach vor die Tür zu stellen. Fast 80 000 haben für ein Abwahlverfahren votiert, mehr, als bei Ihrer Wahl für Sie gestimmt haben. Wer aus anderen Städten weiß, wie schwer es ist, nein: fast unmöglich, selbst wesentlich niedrigere Quoren für Bürgerbegehren zusammenzubekommen, der kann ermessen, wie groß der Zorn vieler Duisburger auf Sie sein muss. Trotz allem: Ein bisschen taten Sie mir sogar leid bei den Fernsehbildern dieser Tage, mit Ihrer gehetzten Miene, unter den Buhrufen der Bürger und dem Klicken der Kamera-Objektive. Seit einem Jahr ist Ihre Arbeit ein Spießrutenlauf, Sie können sich kaum mehr blicken lassen, von allen Gedenkveranstaltungen hat man Sie ausgeladen, landes- und bundesweit sind Sie zur Persona non grata geworden. Sie blicken auf einen einzigen riesigen Scherbenhaufen. Und trotzdem gehen Sie jeden Tag ins Rathaus zur Arbeit. Warum tut sich ein Mensch so viel Erniedrigung an? Wegen der Pension? Aber selbst die schönste Rente kann doch kein Grund sein, sich immer wieder aufs Neue derart zu beschädigen. Womöglich liegt die Sache auch ganz anders: Sie haben Angst, dass Ihnen ein Rücktritt als persönliches Schuld-Eingeständnis angerechnet würde. Aber genau darum geht es eigentlich nicht. Sie sind der Chef einer Verwaltung. In dieser Verwaltung sind, das lässt sich nicht bestreiten, verheerende Fehler gemacht worden. Und zwar von Mitarbeitern, die davon ausgingen, die Spitze - also Sie - wolle um jeden Preis das Zustandekommen der Loveparade. Vielleicht war Ihnen das gar nicht klar. Vielleicht hat man Ihnen auch zu wenig gesagt. Aber es gibt manchmal eine Verantwortung, die ein Chef auch für seine Mitarbeiter übernehmen muss. Ganz unabhängig vom strafrechtlichen Verschulden. Dem haben Sie sich nie gestellt. Sie hätten es tun müssen, schon den Familien der Opfer zuliebe. Die werden nun weiter warten müssen, bis die Duisburger Bürger die Sache selbst erledigen. Ein trauriges Ende für alle Seiten. Aber offenbar wollen Sie es nicht anders.