1. Meinung

Mensch ... Anton Hofreiter

Mensch ... Anton Hofreiter

Rein äußerlich sind Sie mir ja ausgesprochen sympathisch. Immerhin haben Sie die gleiche Frisur wie ich. Also wie ich sie hatte. Mit 18. Als ich meine Eltern noch mit der Länge meiner Haarpracht zur Weißglut bringen konnte.

Meine Oma hat mir die Matte dann abgehandelt, als Gegenleistung für die Finanzierung meines ersten eigenen Urlaubs. Ich war halt käuflich. Sie dagegen sind als anständiger Grüner nicht korrupt. Vielleicht haben Sie aber auch keine mit Stilgefühl gesegnete Oma, die Sie vor optischen Unglücksfällen bewahrt. Ist auch egal, ich wollte sowieso über was ganz anderes mit Ihnen reden.

Ihre Partei will mir verbieten, zum Mittag- oder Abendessen ein Glas Wein zu trinken, wenn ich danach noch Auto fahre. 0,0 Promille nennen Sie das. Ich nenne das: Bevormundung. Ich trinke übrigens so gut wie nie Wein zum Essen, weil ich Wasser meist erfrischender finde. Aber die Entscheidung darüber würde ich ungern Ihnen überlassen. So wenig wie die Frage, ob ich ein Stück Fleisch zu verspeisen gedenke oder nicht. Auch wenn Sie vielleicht gerade Ihren Veggie-Day haben.

Ich möchte das Auto nutzen, wenn ich auf ÖPNV keine Lust habe, und ich will da, wo es verantwortbar ist, auch innerhalb der Stadtgrenzen 50 km/h fahren dürfen. Ich möchte, wiewohl passionierter Nichtraucher, keine Horrorbilder auf Zigarettenpäckchen und kein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen. Doch, doch, alles Forderungen aus Ihrer Verbotspartei.

Sehen Sie, ich finde, es muss ein paar wenige Regeln geben, an die sich alle halten. Dass man sich nicht besäuft, wenn man Auto fährt, beispielsweise. Oder dass man vor Kindergärten Schrittgeschwindigkeit einhält. Dass man nicht qualmt, wenn man andere Leute damit belästigt. Aber das ist es dann auch. Auf Sitten- und Geschmackspolizei können wir gut und gerne verzichten. Ich verspreche auch hoch und heilig, nie mehr was über Ihre Frisur zu sagen. Dieter Lintz