1. Meinung

Mensch ... Hartmut Mehdorn!

Mensch ... Hartmut Mehdorn!

Erstmal ganz herzlichen Dank, dass Menschen wie Sie mir immer wieder selbstlos aus der Patsche helfen, wenn ich dienstags verzweifelt einen Helden für die Mensch-Kolumne suche. Die vergangenen Tage gab\'s in den Nachrichten nur Sotschi und Ukraine, der Fall Edathy ist für satirische Zwecke eher ungeeignet, und für Herrn Sarrazins neue Selbstbemitleidung in Buchform will ich keine unfreiwillige Reklame machen.

Aber da sind ja noch die Uli Hoeneße, Boris Beckers, Dieter Bohlens, Ronald Pofallas oder Hartmut Mehdorns dieser Welt, die irgendein Fettnäpfchen finden, in das sie reintreten können. Die verlässlich ein Debakel produzieren, das uns Schreiberlingen wieder die Gelegenheit zum Lästern liefert. Und auf Sie, Herr Mehdorn, war da schon immer Verlass. Ob Sie die Bahn zum Entgleisen brachten oder mit Air Berlin notlandeten: Für eine miserable Schlagzeile waren Sie stets gut. Und auch diesmal haben Sie wieder prompt geliefert.

Der Pannenflughafen in der Bundeshauptstadt, so verkündeten Sie diese Woche, werde nun wohl doch erst 2016 beflogen. Also läppische fünf Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Den von Ihnen vorgesehenen bescheidenen Probebetrieb hat Ihr eigener Aufsichtsrat gecancelt, weil Sie die nötigen Genehmigungen nicht beibringen konnten. Die Kostenschätzungen liegen inzwischen bei fünf Milliarden auf der nach oben offenen Vermutungsskala. An allen Ecken und Enden tauchen neue Mängel und Versäumnisse auf. Brandschutz, Lärmschutz: alles verkorkst, unterdimensioniert.

Mit so viel geballtem Dilettantismus hätte man nicht mal ein Wochenendhäuschen in Angriff nehmen dürfen. Den zuständigen Landtagsausschuss haben Sie über die neuen Katastrophen mal eben per Mail informiert - von diesem nervigen Bürgervertretungsgesocks hält man sich persönlich eh besser fern. Dafür ist Ihre kostbare Managerzeit einfach zu knapp. Okay, ich gebe zu: Diesen ganzen Fehlplanungs-Moloch haben Ihre Vorgänger auf den Weg gebracht, nicht Sie. Aber Sie sind jetzt ein Jahr als hochbezahlter Troubleshooter auf der Baustelle, und der Erfolg ist ungefähr so groß wie beim gerade geschassten Trainer des Hamburger SV. Der hatte die Mannschaft vergangenes Jahr als gefeierter Krisenmanager auf Platz 15 übernommen und dann souverän auf Platz 17 geführt.

Inzwischen ist er auch schon wieder gefeuert. Aber keine Angst, das ist bei Managern wie bei Fußballtrainern gleich: Egal, wie lausig sie gearbeitet haben, es findet sich immer ein neuer Trottel, der sie einstellt. Wenn man Ihnen in Berlin den Stuhl vor die Tür stellt, wartet in Hamburg wahrscheinlich der nächste Job. Nein, nicht beim HSV. An der Waterkant ist noch eine Elbphilharmonie fertig zu bauen. Dieter Lintz Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne