1. Meinung

Mensch ... Mitt Romney

Mensch ... Mitt Romney

Eigentlich kaum zu glauben, wie unbekannt Sie sind, wo Sie doch gute Chancen haben, bald der mächtigste Mann der Welt zu werden. Die Experten halten Sie für den Favoriten unter den US-Präsidentschaftskandidaten, die den wackligen Barack Obama herausfordern.

Also für den Mann, der möglicherweise ab November an jenem roten Knöpfchen sitzt, von dem unser aller Überleben abhängt. Sie sind Mormone und Milliardär, also nicht unbedingt das, was einen Durchschnittsamerikaner auszeichnet. Mit Weltpolitik hatten Sie bislang nix am Hut, aber das ist bei US-Präsidenten ja so üblich. Von good old Europe aus betrachtet könnte man gewisse Bedenken haben, ob Sie der Richtige für so einen heiklen Job sind. Aber angesichts Ihrer Gegenkandidaten muss man ja geradezu darum beten, dass Sie das Rennen machen. Ron Paul ist 76, macht Rassisten-Sprüche und will den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz abschaffen. Rick Santorum will Schwule ächten und in der Schule biblische Schöpfungslehre statt Biologie unterrichten. Herman Cain glaubt, die Taliban säßen in Libyen und an der Grenze zu Mexiko solle man einen Elektrozaun gegen Flüchtlinge installieren. Newt Gingrich, der katholische Fundamentalist, ist drei Mal geschieden und hat eine Million Dollar Einkaufskredit bei Tiffany\'s. Rick Perry ("Oops") brüstet sich mit Todesurteilen und ist zu dumm, um im Fernsehinterview die Namen der Behörden zu nennen, die er abschaffen will. Und Michelle Bachman will knallhart die US-Botschaft im Iran schließen, die es seit 30 Jahren nicht mehr gibt. Bei diesem Personal der Republikaner ist man ja schon froh, dass keiner in Ku-Klux-Klan-Kutte zur Talkshow aufläuft. Und Sie, Mr. Romney, erscheinen als der Einarmige unter den Taubblinden. Aber ich hoffe, Sie nehmen nicht krumm, dass ich im Zweifelsfall dann doch eine zweite Obama-Amtszeit vorziehe. Dieter Lintz TV-Kolumnen auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne