1. Meinung

Minijobs für Rente nutzen

Minijobs für Rente nutzen

Minijobs sind bei ihren Kritikern als Niedriglohnfalle in Verruf. Minijobs sind geringfügige Beschäftigungen, bei denen die monatliche Verdienstgrenze bis zu 400 Euro beträgt, aber nach den Plänen der Koalition auf 450 Euro erhöht werden soll. Die meisten der 6,8 Millionen Minijobber sind mit dem Umfang ihrer Arbeit zufrieden. Das gilt für viele Nebenjobber, Studenten, Schüler, Hausfrauen, Rentner.

Für jeden Dritten sind sie eine Brücke in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
So mancher Minijobber streicht seinen für ihn abgabenfreien Verdienst ein, ohne an später zu denken. Weil 95 Prozent der Minijobber bisher darauf verzichtet haben, aus eigener Tasche den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag von 15 Prozent aufzustocken, soll der Arbeitgeber künftig 19,6 Prozent abführen. Der Minijobber soll die Aufstockung um 4,6 Prozent auf seine Kosten ablehnen können.

Das sollte er aber nur tun, wenn er ohnehin einen sozialversicherungspflichtigen Hauptjob hat oder volle Rente bezieht. Denn die Entrichtung des aufgestockten vollen Beitrags erhöht nicht nur später leicht die Rente.
Wichtiger ist, dass die Beschäftigungszeit als Minijobber für die Erfüllung der verschiedenen Wartezeiten (Mindestversicherungszeiten) berücksichtigt wird. Diese sind Voraussetzung für einen früheren Rentenbeginn, für Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation, für eine Rente wegen Erwerbsminderung und für den Abschluss einer sogenannten Riester-Rente. Die Minireform der Minijobs trägt ein wenig dazu bei, den Lebensabend abzusichern.
Der Autor ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.