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Kolumne Neue Heimat
Fernsehen für Frauen, Fußball für Männer

Ayad Abed Lateef
Ayad Abed Lateef FOTO: privat, / Ayad Abed Lateef
Konz. Hierzulande hat jeder selbstverständlich ein Hobby, egal, wie alt er ist. Er treibt es zur Selbstverwirklichung, für einen schönen Körper oder der Gesundheit zuliebe. Ayad Abed Lateef

Es gibt Einrichtungen und Plätze für alle denkbaren Freizeitaktivitäten, viele Hobbys wie zum Beispiel der Sport werden vom Staat gefördert.

In arabischen Ländern beschränken sich die Möglichkeiten weitgehend auf Fußball, Fitness und Laufen. Nur junge Männer gehen diesen Beschäftigungen nach. Frauen, Kinder und alte Menschen bleiben außen vor. Gründe dafür sind eine verfehlte Gesellschaftspolitik, rückständige Traditionen und nicht zuletzt religiöse Tabus. Es ist unvorstellbar, dass Frauen in arabischen Ländern Fahrrad fahren oder zum Schwimmen gehen. Ihnen bleibt als Freizeitbeschäftigung nicht viel mehr, als zu Hause zu sitzen und Liebesgeschichten im Fernsehen anzuschauen.

Die meisten arabischen Einwanderer leben in Deutschland ähnlich wie in ihren Herkunftsstaaten. Für Männer sind Hobbys rund um das Thema Fitness attraktiv, für Frauen kommt allenfalls das Shoppen als Freizeitbeschäftigung hinzu.

Ich selbst habe früher Fußball gespielt und bin geschwommen. Gerade versuche ich, eine alte Leidenschaft wiederzubeleben: das Malen. Denn nicht nur die Muskeln brauchen ein Hobby, sondern auch das Herz und der Geist.

Alle reden über Muslime - von diesen selbst ist dagegen wenig zu hören. Deshalb schildert Ayad Abed Lateef, ein in Konz lebender gebürtiger Iraker, in dieser Volksfreund-Kolumne, wie er und seine arabischen Freunde Trier erleben. Er erzählt, was hier ganz anders ist als in ihren Herkunftsländern und findet unerwartete Gemeinsamkeiten. Lateef stammt aus der irakischen Hauptstadt Bagdad und verließ sein Heimatland aus politischen Gründen. Er promoviert an der Uni Trier und möchte später als Journalist arbeiten.