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Was tun, wenn’s knallt?

FOTO: Eltges, Stefanie / TV
Meinung Die Polizei ist in Deutschland als Freund und Helfer bekannt. In der Heimat von Volksfreund-Kolumnist Jamal Kanaan sieht die Lage ganz anders aus. Von Jamal Kanaan

Es knallt – ein Autounfall! Zwei Männer steigen aus ihren Autos. Sie ziehen Knüppel oder Rohrstöcke unter den Sitzen hervor und fangen eine Schlägerei an. Schnell versammeln sich die Passanten und schauen sich das Spektakel an. Selbst wenn sich bei dem Unfall niemand verletzt hat, spätestens jetzt geht es zur Sache. Wenn dann irgendwann Blut fließt, einigen sich die Streithähne normalerweise, den Zwist zu beenden und die Polizei nicht über den Autounfall zu informieren.

So etwas ist in meiner Heimat Syrien nichts Ungewöhnliches, ich selbst habe das oft gesehen. In Syrien macht die Polizei die Dinge oft komplizierter. Die Polizisten verlangen Schmiergeld und verschwinden dann wieder – und wer bezahlt, der hat recht. Außerdem beschlagnahmen sie die Unfallautos. In der Wache verschwinden nach und nach Autoteile, und niemand weiß, wo sie hingekommen sind. So läuft es in Syrien.

Wenn man in Deutschland in einen Autounfall verwickelt ist, versorgt man danach die Verletzten und alarmiert die Rettungskräfte. Der entstandene Schaden wird bei der Versicherung gemeldet. Sie bezahlt die Reparaturen und kümmert sich um alles Weitere. In Syrien dauert so etwas gerne mal fünf Jahre. Und oft genug bekommt man nach einem Unfall überhaupt keine Entschädigung.

Übersetzt von Ayad Abad Lateef

Alle reden über Muslime – von diesen selbst ist dagegen wenig zu hören. Deshalb schildert Jamal Kanaan, ein in Konz lebender gebürtiger Syrer, in der Volksfreund-Kolumne, wie er und seine arabischen Freunde die Region erleben. Ein Video über die Volksfreund-Newscomer gibt es unter www.volksfreund.de/video Alle Artikel der Newscomer-Teams befinden sich im Dossier unter  www.volksfreund.de/newscomer