Offenes Gespräch mit dem Kind vor Trennung der Eltern

Offenes Gespräch mit dem Kind vor Trennung der Eltern

Leser fragen: Mein Mann und ich werden uns in Kürze trennen. Wenn sich die Situation zwischen uns in nächster Zeit nicht verschlechtern sollte, wird es eine einvernehmliche Trennung werden, was wir beide sehr hoffen. Meine Frage bezieht sich auf unsere fünfjährige Tochter, der wir die bevorstehende Trennung so schonend wie möglich vermitteln wollen.

Mein Mann wird die Wohnung verlassen und in den Nachbarbezirk ziehen, keine 20 Minuten Fußweg von unserer jetzigen Wohnung entfernt. Worauf sollten wir achten, wenn wir unsere Tochter in Gesprächen auf die anstehenden gravierenden Veränderungen vorbereiten wollen?

Die Expertin antwortet:

Die von Ihnen geplanten Gespräche - zumal, wenn sie diese als Eltern gemeinsam führen - sind eine ganz wichtige Hilfe für Ihre Tochter, weil sie die Möglichkeit bieten, die Ängste, die bei Kindern im Zusammenhang mit der Trennung der Eltern immer einhergehen, abzumildern. Erzählen Sie nicht zu viele Details über die Trennungsgründe. Achten Sie darauf, dass Gründe für die Trennung ausschließlich mit ihnen, den Eltern, zu tun haben und überhaupt nichts mit ihrer Tochter! Verzichten sie beide unbedingt darauf, sich gegenseitig zu beschuldigen oder in Anwesenheit ihrer Tochter zu streiten! Vermitteln sie, dass sie von beiden Elternteilen weiterhin genauso geliebt wird wie bisher, dass sie beide sich auch nach der Trennung gemeinsam um Annegret kümmern und für sie da sein werden und dass sie auch weiterhin immer im Gespräch miteinander bleiben werden! Beziehen Sie im nächsten Schritt ihre Tochter in die Regelung der bevorstehenden Veränderungen ein: Was verändert sich für alle Beteiligten? Wann wird sie bei wem sein? Bekommt sie auch in der neuen Wohnung des Vaters ein eigenes Zimmer? Wie halten sie alle drei Kontakt miteinander?

Das Kind kann sich umso besser auf diese Veränderungen einstellen, je konkreter Ihre Informationen zum künftigen Alltag sind. Und stellen Sie auch die Dinge heraus, die sich nicht verändern werden - das ist sehr wichtig und entlastend für Ihre Tochter!

Ein letzter Hinweis: Wie bei allen Gesprächen mit Kindern ist nicht nur wichtig, was und wie Sie etwas sagen, sondern ganz besonders auch Ihre Bereitschaft, ernsthaft zuzuhören. Prüfen Sie eventuelle Vorschläge Ihrer Tochter, auch wenn diese aus Erwachsenensicht "nur" Kleinigkeiten betreffen sollten.

Eltern fragen - Experten antworten: Jeden Donnerstag beantwortet Birgit Storr vom "Arbeitskreis neue Erziehung" an dieser Stelle Elternfragen. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin (www.ane.de) ist vor allem durch seine Elternbriefe bekanntgeworden, die in zahlreichen Kommunen deutschlandweit an junge Eltern versandt werden.

Sie haben eine Frage an Birgit Storr? Mailen Sie an familie@volksfreund.de. Die Antwort im Blatt erfolgt anonym.