Kolumne Pitter: Ächz!

Kolumne Pitter : Ächz!

Pitter

Am Versuch, ein Wochenfazit zu ziehen, ohne an Hitzerekorde zu denken, ist zum Scheitern verurteilt. Die Älteren unter uns erinnern sich sehnsuchtsvoll an Zeiten, in denen ein niederländischer Entertainer „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ zu singen versuchte und das Bild verregneter Ferientage heraufbeschwor, die man nur mit Friesennerz draußen und Strickjacke drinnen überstehen konnte. Auf Facebook häufen sich die Posts der echten und sogenannten Freunde von Winterbildern aus einem Landstrich, der mal Rheinisch Sibirien hieß und derzeit mit Fug und Recht Rheinisch Sizilien heißen müsste. Obwohl: Die Wetter-App meldete am Donnerstag für die Ätna-Region schlappe 31 Grad Höchsttemperatur, während der Auto-Bordcomputer beim Einkaufen in Daun, Heimat der Eifelvulkane, stolze 36,5 Grad anzeigte. Und wer erinnert sich noch an 2018, als die Rede vom Jahrhundertsommer war? Das Jahrhundert ist jetzt öfter, 2003 tauchte es erstmals auf, 2015 legte es würdig nach, und jetzt scheint es nach dem Motto „Täglich grüße das Murmeltier“ in derselben Wiederholungsschleife gefangen zu sein wie die Recycling-Krimis im Fernsehen. Glücklich allerdings kann sich schätzen, wer nicht in der VG Kelberg lebt. Denn dort wird allmählich das Wasser knapp, wer baden will, kann ins öffentliche Freibad und muss den Privatpool staubtrocken lassen. Das geologische Pech für die Kelberger: Sie haben zu wenig wasserspeicherndes vulkanisches Gestein. In Gerolstein oder Daun zapft man einfach das jahrzehntealte Wasser an, das in Lavaschichten eingesperrt vom Regenreichtum früherer Zeiten erzählt. Blöd nur, wenn diese Lavaschichten weggebaggert werden. Dann sitzen am Ende alle auf dem Trockenen. Falls es tröstet: Gewitter und Starkregen sind für das Wochenende angekündigt. Noch nie hatte man so viel Lust auf Schietwetter.