| 16:58 Uhr

Kolumne Pitter
Lang, länger, Doppeldings

Einen waschechten Zusammenprall der Kulturen gab es unlängst: Feminismus in Person einer Steuerberaterin prallte auf den ziemlich berühmten Bänkelsänger Bernd Stelter, der sich in der Bütt über Doppelnamen lustig machte.

Vor allem über den an der Spitze der CDU mit den vielen knarzenden Rs – Sie wissen schon. Und tatsächlich ist die typisch deutsche Lust an nicht enden wollender Benennung etwas, das Nicht-Muttersprachler schier zur Verzweiflung bringt. Aber Annegret Kramp-Karrenbauer ist zumindest für Nicht-Chinesen mit einiger Übung noch machbar, und Gabriele Möller-Hasenbeck, wie die Steuerberaterin heißt, geht auch nüchtern geradezu flott über die Zunge. Lustiger und zum Karneval passender allerdings wäre es, sie hätte geheißen wie eine Hannoveraner Juristin, nämlich Knüllig-Dingeldey. Elisabeth Noelle-Neumann-Maier-Leibnitz jedenfalls war nichts für Leute mit einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne, und hätte sich die große Dame der Meinungsforschung da mal umgehört, hätte ihr manch einer sicher empfohlen, es beim schlichten Noelle zu belassen und nicht andauernd auch noch die Namen von irgendwelchen Gatten anzunehmen. Man muss doch nicht raushängen lassen, dass man zur seriellen Monogamie neigt. Dass Doppelnamen im Übrigen kein weibliches Schicksal sein müssen, ist mit einer unvergessenen Loriot’schen Badewannenszene reif fürs Weltkulturerbe verdeutlicht: Herr Müller-Lüdenscheidt. Auch so unterschiedliche Männer wie Torsten Schäfer-Gümbel oder Marcel Reich-Ranicki machten Karriere mit Doppeldings. Und wer würde nicht mit Menschen wie einem Hagen Graf von Schweinitz und Krain leiden, denn beim Adel ist es seit jeher Sitte, alle Namen aneinanderzutackern, die Mama, Papa und Gatten so einsammeln können. Natürliche Grenzen setzen da nur Überweisungs- oder Antragsformulare. Zurück zum Stelter: Wusste er wirklich nicht, dass so mancher Karnevalist keinen Spaß versteht? Die Narretei ist nämlich ein echt ernstes Fach...