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"Prometheus": Es war einmal … der Mensch

"Prometheus": Es war einmal … der Mensch

„Große Dinge fangen immer klein an“, sagt der Android David (Michael Fassbender) in „Prometheus – Dunkle Zeichen“. Für Ridley Scotts jüngsten Film kann das nicht gelten.

Scotts 20. Regiearbeit für die große Leinwand, in der der Brite nach über 30 Jahren die Vorgeschichte zu seinem Science-Fiction-Klassiker "Alien" erzählt, ist mit einem Budget von geschätzten 130 Millionen US-Dollar eine der teuersten Produktionen des Jahres. Auch was Besetzung und Effekte angehen - der Film kommt selbstredend in 3-D in die Kinos - klotzt Scott mehr, als dass er kleckert.

Dem darf der Inhalt natürlich in nichts nachstehen. Und so machen die Drehbuchautoren Jon Spaihts und Damon Lindelof das ganz große Fass auf. Ging es bereits in den ersten vier "Alien"-Filmen um die Frage, was den Menschen vom titelgebenden Monster und von künstlichen Menschen unterscheidet, stellt "Prometheus" die Frage nach dem Ursprung der Menschheit selbst.

2093 machen sich die Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) gemeinsam mit einer 17 Mann starken Besatzung im Raumschiff Prometheus zu einem Planeten auf, auf dem sie die Quelle des menschlichen Lebens vermuten. Mit an Bord ist der mächtige Geschäftsmann Peter Weyland (Guy Pearce), der kurz vor seinem Tod seinem Schöpfer entgegentreten möchte.
Doch was, wenn die Schöpfer der Menschheit den Menschen aus demselben Grund erschufen wie die Menschen ihre Androiden? Weil sie es konnten.

"Prometheus" stellt die großen Fragen mit viel Liebe zum Detail. Ausstattung, Kostüme und Spezialeffekte setzen auch im mittlerweile fünften Film der "Alien"-Reihe Maßstäbe. Fans werden ihre Freude an den zahlreichen Anspielungen und Anknüpfungspunkten haben.

Auch visuell überzeugt der Film. Ridley Scott, der im November 75 wird, ist weit von einem Alterswerk entfernt. Was "Prometheus" jedoch schmerzlich vermissen lässt, sind Charaktere mit Identifikationspotenzial. Die Charaktere in "Prometheus" wirken wie Abziehbilder ohne jede Tiefe. Wer sich Antworten auf die aufgeworfenen Fragen verspricht, wird ebenfalls enttäuscht. Am Ende bleibt der Zuschauer genauso ratlos zurück wie die Figuren im Film. Der Schluss lässt jedoch auf eine Fortsetzung hoffen - vielleicht ja dann der ganz große Wurf.

Falk Straub