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Caroline Henderson interpretiert Kurt Weill

Caroline Henderson interpretiert Kurt Weill

Sie ist eine Ausnahme: Mit 51 Jahren überschreitet die frühere Popsirene, Discoqueen und Jazzsängerin Caroline Henderson wieder einmal musikalische Grenzen: Ihr neues Album ,,Lonely House“ beschäftigt sich ausschließlich mit der Musik Kurt Weills (1900-1950), des großen jüdischen Komponisten, der vor den Nazis aus Deutschland in die USA emigrierte und hierzulande vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Bert Brecht bekannt ist.

Caroline Henderson interpretiert Kurt Weill
Foto: Chateau du Pop


Henderson, die auf ihrer Website schlicht ,,Caroline interprets Kurt Weill" ankündigt, bietet auf ,,Lonely House" völlig neue Zugänge zu einer rund 90 Jahre alten Musik: So wurden Weills Songs mit Texten von Bertolt Brecht, Maxwell Anderson, Ogden Nash oder Langston Huges bisher noch nie gedeutet. Manche der dreizehn Titel sind lediglich elf Sekunden lang, andere fast fünf Minuten. Auch die Musik Hendersons hat sich erneut gewandelt: Sie entführt Weill sozusagen in die Club Lounge, obskure Gestalten irren in den Songs hörbar umher, Samples und ,,kurze Hörspiele" werden in die Titel integriert, die einzelnen Songs gehen ineinander über. Das Album folgt einem sich - allerdings immer wieder verflüchtigenden - Konzept. Das ist wahrscheinlich der Schwachpunkt des ansonsten äußerst hörenswerten Albums mit laszivem, soulig angehauchtem Gesang, verträumtem Pianospiel und viel Syntheziser-Einsatz. Anspieltipps: ,,The Train to Heaven" (13), ,,Ballad of the Soldiers Wife" (4), ,,Don't Be Afraid" (5) und ,,I'm A Stranger Here Myself" (9). Caroline Henderson ist nicht nur musikalisch außergewöhnlich: Die heute 51-Jährige ist als Tochter US-amerikanischer Eltern im schwedischen Stockholm geboren, zog mit der Familie in die USA, kehrte dann aber wieder nach Skandinavien, und zwar in die dänische Hauptstadt Kopenhagen, zurück.

Caroline Henderson: Lonely House, Sony Classical 2013, 888 837 06152, LC-Code 06868.