1. Meinung

Trauer und Verlust in Musik umgesetzt

Trauer und Verlust in Musik umgesetzt

"Soul Colours" sind das Ergebnis der lebenslangen Suche Antonija Paceks nach beseeltem künstlerischen Ausdruck. Und der schlägt sich zumeist nieder in verträumten Piano-Melodien.

Lebenslang - da hat Antonija bereits einiges vorzuweisen. Hinter dem Konzept des Albums scheint eine spätberufene Künstlerin zu stehen: Die 1974 geborene dreifache Mutter stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, wird von den Kriegsgräueln nach Wien vertrieben und studiert schließlich in Cambridge. Dort erwirbt sie einen akademischen Grad in Psychologie.

Daher stammt vielleicht ihr beachtliches Können, viele Seelenzustände wie Trauer oder Verlust bis hin zu lebenslustigen Ereignissen in musikalischer Form auszudrücken - von melancholisch-traurig bis fröhlich-beschwingt. Die insgesamt 15 Eigenkompositionen mit einer Gesamtspielzeit von rund 51 Minuten tragen Titel wie "Restless", "Made in Agony", "Silent Happiness" oder auch "Tamed Courage". Einordnen lassen sich Paceks Werke in der Nähe der Kompositionen Erik Saties, des Minimalismus' Ludovico Einaudis und Keith Jarretts Köln Concert. Antonija Pacek "schätzt Pop genauso wie Motive der Klassik und die Ausdruckskraft der großen Jazz-Solisten". Ihr wohlbedachtes Pianospiel, das sowohl umfangreiche notierte als auch viele improvisierte Teile enthält, ließe sich schlicht als "schön" bezeichnen, doch bisweilen vermisst der Hörer schon einmal einen impulsiven Ausbruch oder ein forcierteres Spiel. Aber vielleicht ist genau diese Abgeklärtheit mitsamt dem Verzicht auf ungestüme Wildheit die ihrem Konzept zugrunde liegende Basis. Jörg Lehn

Antonija Pacek: Soul Colours, autentico music, Vertrieb: Naxos, AMCDA00001, LC 30839, München 2014.