Zurück auf dem Bolzplatz

Zurück auf dem Bolzplatz

Die Toten Hosen sind zurück. Nach ihrem Mega-Seller-Album "Tage wie diese", bei dessen gleichnamiger Hymne die gesamte Republik mitgrölte und die Radiostationen das Volk mit Dauerschleifen malträtierte, wollten sich die Düsseldorfer mit ihrem neuen Album "Laune der Natur" auf ihre Wurzeln besinnen.

Wieso? Gute Frage!
Am Erfolg und Schier-Endlos-Rampenlicht wird es wohl kaum gelegen haben. Daran laben sich die Ex-Punks offenkundig ganz gern. Vielleicht lag es schon eher an solchen Begleiterscheinungen, dass nun auch schon mal die CDU-Granden nach einem Wahlsieg oder Konzernlenker in die Hosen-Hymne einstimmten. Begleitband für Bonzen im Businessanzug? Nein, stop! Dann lieber - so das Motto der diesjährigen Tour - "Zurück auf dem Bolzplatz". Dahin, wo man nach 'nem Dribbling mit Beinschuss mit der Fresse im Dreck landet. Wo nicht Hacke-Spitze-1,2,3, sondern ein ehrliches Tackling und ein Befreiungsschlag Anerkennung und Applaus bringen. Doch können sie es noch nach all den großen Spielen in den beheizten Rollrasen-Arenen? Anpfiff: und mit "Urknall" gleich mal eine saubere Blutgrätsche! In der ersten Minute! Das bringt Respekt, so gewinnt man Schlachten.
Das Tempo und die Härte halten sie das 15 Stücke währende Spiel zwar nicht durch, doch immerhin die Hälfte davon hauen sich die Herrschaften rein. Wie bei den Songs "Energie", "Lass los", "ICE nach Düsseldorf" und "Wie viele Jahre".
Auch, wenn die Puste etwas ausgeht, überraschen die Düsseldorfer Dauerbrenner mit archaischem Spiel ("Die Schöne und das Biest") oder "Finten" aus Zeiten der 18er-Lederstollen, als der Vorstopper plötzlich vorstürmt (der 2016 verstorbene Ex-Drummer Wölli bei "Kein Grund zur Traurigkeit"). Und auf der Spezialedition mit dem zusätzlichen Cover-Album "Learning English Lesson 2" im ureigensten Punk-Stil wird zu Songs von Dead Kennedys, Buzzcocks, Boomtown Rats und Co mit Gastspielern wild über den Platz gestolpert und gerüpelt, dass es eine Freude ist.
Doch so ganz ohne filigranes Dribbling und Doppelpass wollen sie auch auf dem Bolzplatz nicht: Und so wird es bei "Unter den Wolken" und "Laune der Natur" wieder La Ola-Wellen geben. Ja, man kann es schon als Laune der Natur bezeichnen, dass es Campino, Breiti, Andi, Kuddel (und Vom) nach mehr als 30 exzessiven Bühnenjahren überhaupt noch gibt. Dass sie sich live nach wie vor reinhauen, keine Frage. Schon das nächstes Heimspiel an diesem Samstagabend auf dem Nürburgring wird das zeigen.
Mario Hübner
Die Toten Hosen: Laune der Natur (JKP/2017).