1. Meinung

...Rupert Murdoch!

...Rupert Murdoch!

Da haben Sie jahrelang die Politiker in Good Old England oder den Vereinigten Staaten wie Figuren auf einem Schachbrett herumgeschoben. Haben Premierminister gemacht und weggejagt. Haben Kriege herbeimanipuliert, Krisenpanik geschürt, moralische Grenzen ignoriert. Und wenn mal was schiefging, wie die Wahl dieses merkwürdigen Negers zum amerikanischen Präsidenten, dann haben Sie mit Ihren Sendern und Zeitungen für entsprechende Rachefeldzüge gesorgt.

Früher habe ich mich immer gewundert, dass dieses grundsympathische Volk der Engländer statt mit Schirm, Charme und Melone auf einmal mit Bierfahne, Badetuch und Massenkeilerei auf sich aufmerksam machte. Bis ich Ihre Zeitungen kennenlernte. Und mir klar wurde, dass deren regelmäßige Lektüre mindestens so hirnschädigend ist wie Alzheimer.

Sie und Ihre Mitarbeiter pflegten auf solche Argumente immer zu antworten, man gäbe dem Publikum lediglich, was es lesen und sehen wolle. Ein Argument, mit dem man trefflich auch Kinderpornografie vertreiben kann.

Was ich Ihnen besonders krumm nehme, ist, dass Sie unseren alten Journalisten-Berufsstand mit Betrügern, Geschichtenerfindern, Witwenschüttlern, Abhörern, Hackern, kurzum: mit publizistischer Kriminalität identifizieren. Nun sind wir bestimmt keine Zunft der Unfehlbaren. Aber für das, was "Kollegen" unter der gleichen Berufsbezeichnung bei Ihnen veranstalten, kann man sich als Journalist bestenfalls schämen.

Vom alten Axel Springer ist bekannt, dass er einst von seiner Bildzeitung sagte, er leide unter dem Blatt "wie ein Hund". Dabei ist Bild, gemessen an englischen Boulevardblättern, eher eine Art Bäckerblume. Und Springer hat bestimmt nicht gemeint, dass man den inneren Schweinehund zum Überschriftenredakteur machen sollte.

Fürs Erste scheint's ja jetzt vorbei zu sein mit dem Dasein als alleinherrschender Medienzar. News of the world ist weg, das Imperium wackelt. Fragt sich nur, wie lange das hält. Solange es genug Leute gibt, die lieber unterhaltsam belogen werden als sich mit der anstrengenden Realität zu befassen, und solange es Politiker gibt, die für eine gute Schlagzeile ihre Seele verkaufen, ist ein neuer Rupert Murdoch nur eine Frage der Zeit. Dieter Lintz