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Garten
Schon von Wabi Sabi gehört?

Kathrin Hofmeister.
Kathrin Hofmeister. FOTO: TV / Kathrin Hofmeister
Wabi Sabi klingt wie ein asiatisches Gericht oder eine Gewürzmischung, steht aber für die „Wertschätzung von Veränderung und Alter“. Von Kathrin Hofmeister

Wabi Sabi klingt wie ein asiatisches Gericht oder eine Gewürzmischung, steht aber für die „Wertschätzung von Veränderung und Alter“.

Die heilsame Einstellung zu mehr Gelassenheit kommt aus Japan und wird in der Gartenwelt als einer der wichtigsten Trends gehandelt. Auf die Blumen übertragen geht es darum, das Werden und Vergehen von Pflanzen zu akzeptieren, bestenfalls sogar schön zu finden. Auf alle Fälle lebt man entspannter als Wabi Sabiner oder wie auch immer die Anhänger der Geisteshaltung von mehr Unvollkommenheit heißen mögen. Kein Garten ist zwölf Monate im Jahr perfekt. Pflanzen grünen, blühen, fruchten und verlieren ihre Attraktivität. Gerade haben sich die letzten Tulpen verabschiedet. Mit den vielen anderen frühlingsblühenden Zwiebelblumen waren sie von März an eine Wucht. Jetzt muss man ihr vergilbendes Laub bis zum Einziehen aushalten.

Sonst kommen sie im nächsten Jahr nicht wieder. Das sieht nicht schön aus! Aber soll man deswegen lieber ganz auf sie verzichten? Keiner käme im Gourmet-Restaurant auf die Idee, ein Gericht zu verweigern, weil der Moment des Genusses so kurz ist. Alles eine Sache der Einstellung, sagt uns Wabi Sabi. Und es geht weiter: Plötzlich sind Blumen gefragt, die sich selbst versamt haben. Wenn sie ins Konzept passen, dürfen sie stehen bleiben. Ordnung bekommt eine neue Bedeutung und misst sich nicht an den Hygiene-Vorschriften einer Großküche. Nein, im Garten darf es dank Wabi Sabi viel weniger „geschleckt“ zugehen. Nur bei den Kissenprimeln und Schlüsselblumen ignoriere ich die aus dem Buddhismus entwickelte Achtung vor dem natürlichen Lauf der Dinge. Wenn mir die unschön gewordenen Blätter nicht mehr gefallen, schneide ich sie zurück. Nicht zu tief ins Herz, damit sie wieder aus der Blattrosette neu austreiben können. Ein bisschen Verjüngungskur ist eben auch en vogue. Kathrin Hofmeister

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