So gestalten Sie ihren herbstlichen Garten

Garten im September : Ausgedientes findet im Garten neue Bestimmung

TV-Garten im September: Früchte und  Pflanzen im Übermaß, der Garten bietet in diesen Wochen viel Raum, um kreativ zu werden. Wie sich jeder Garten mit alten Gerätschaften ausschmücken lässt und gleichzeitig viel Platz für Natur bleibt, zeigt ein Refugium in der Vulkaneifel.

„In den kleinen Dingen zeigt die Natur die allergrößten Wunder“, steht auf einer Schiefertafel. Bis wir zu der philosophischen Weisheit gelangen, geht es aber erst einmal rund durch den Garten bis zum Sonnenschein-Beet in Gelb-Orange. Waltraud Steffes hat ihre Pflanzflächen nach Farben sortiert. „Zu Beginn habe ich einfach drauflos gepflanzt“, erzählt sie von den Anfängen vor dreißig Jahren. Ihr Mann Werner und sie hatten gerade das Haus gebaut – „Op Baachlich“, wie das idyllische Grundstück wegen des Baches heißt, der das Terrain natürlich begrenzt. „Irgendwann wurde es mir zu kunterbunt“, sagt die gebürtige Vulkaneiflerin lachend. Aus einer Melange von Farben wurde ein klares Konzept. Das sieht nicht nur harmonisch aus, sondern erleichtert Pflanzarbeiten enorm. Wenn sie jetzt im September, zur besten Pflanzzeit, auf die Suche nach einem passenden Platz für einen Purpursonnenhut geht, weiß sie sofort, wo dessen Farbe dazu passt. „Früher bin ich ratlos durch den ganzen Garten gerannt“. Und bei 2400 Quadratmeter boten sich nicht wenige Möglichkeiten.

Die geschickte Gliederung des Geländes erreichte das Ehepaar Sfeffes durch das Anlegen von ­Pflanzinseln und Themenbereichen. Bei der Wahl der Bäume und Sträucher achteten sie auf wertvolle Vogelnist- und Nährgehölze. In ihrem lichten Schatten gelangt man auf Graswegen von einem Gartenteil in den nächsten. Man könnte es mit einer Galerie unter freiem Himmel vergleichen. Die ist allerdings, wie es sich für einen Garten gehört, bodenständiger. Ausgestellt sind neben den Werken der Natur, die beispielsweise Hopfenranken eine Leiter hochklettern und über gespannte Drahtseile wieder von oben herunterhängen lässt, originelle Dekorationen. „Der bepflanzte Küchentisch dort, ein Geschenk meiner Tante, war unser erster Küchentisch als wir geheiratet haben“, erinnert sich Waltraud Steffes. „Und bei dem Tisch mit den handgedrechselten Tischbeinen wusste ich, den nimmst du mit und stellst ihn in den Garten.“ Seit ihrer Kindheit stand er im Kellergewölbe des Elternhauses. Im Heidegarten hat er seinen Ausstellungsraum gefunden. Die Tischplatte bietet Stellfläche für Blumenarrangements. Darunter bleibt Platz für eine Weinkiste mit urigen Steingut-Flaschen. Der Boden ist mit Pinienrinde ausgelegt. „Anfangs hatte ich Rindenmulch als Abdeckmaterial“, sagt die Hobbygärtnerin. Denn ohne Mulch würde sie mit dem Unkraut jäten nicht mehr nachkommen. Aber Rindenmulch zersetzt sich vergleichsweise schnell. Deshalb ist sie auf die teurere, aber haltbarere Pinienrinde umgestiegen.

Das Aufbringen von Mulch ist eine Arbeit, die sich im Herbst anbietet. Aber die kreative Gestalterin hat anderes im Sinn. Kurz vor dem Verblühen erntet sie die Blüten der Bauernhortensien für Deko-Zwecke: „Dann trocknen sie am besten ein.“ Ein weißes Prachtexemplar der Bauernhortensie sitzt unter dem Blättervorhang einer Birke in einer Zinkwanne. „In der Bütt sind meine fünf Geschwister und ich gebadet worden“, meint sie schmunzelnd. Daneben steht eine alte Gießkanne, die unter Liebhabern zu den begehrten Sammlerstücken zählt. Zu schade zum Wegschmeißen, findet auch Waltraud Steffes. Überall im Garten führt sie die alten Dinge einer neuen Sinnhaftigkeit zu: Die Milchkannen als Hingucker zwischen Blumenflor, die alte Waage für die Kartoffelsäcke als spannendes Spielzeug, das Enkelsohn Janis entdeckt. „Ich weiß ja noch, wie damit gearbeitet wurde“, meint sie als Landkind. Wie gut sich die umfunktionierten Gerätschaften in einen naturverbundenen Garten einfügen lassen, zeigt nicht nur die mit bienenfreundlichen Duftnesseln bepflanzte Schubkarre. Das beweist auch eine weitere Anekdote: „Eines Abends als ich mit meiner Freundin im Garten beim Gitarre spielen saß, lief plötzlich meine Jacke weg“. Sie war vom Stuhl auf einen Igel gerutscht. Manchmal versteckt die Natur ihre kleinen Wunder offensichtlich auch unter menschengemachtem Stoff.