1. Meinung

So werden Adelige korrekt angesprochen und angeschrieben

So werden Adelige korrekt angesprochen und angeschrieben

Sämtliche adelsrechtlichen Privilegien wurden am 11. August 1919 mit Inkrafttreten der Weimarer Verfassung aufgehoben. Die zu der Zeit geführten Adelstitel und Adelsprädikate sind seitdem Bestandteil des Familiennamens, wobei die Bezeichnungen Freiin, Komtesse, Prinzessin und Prinz nicht übertragen wurden.

1919 wurde also aus der Gräfin Luise von Reichenbach eine Frau Luise Gräfin von Reichenbach und aus Fürst Bernhard von Bülow wurde Herr Bernhard Fürst von Bülow. Nach damaligem Namensrecht bedeutete das aber auch, dass der Familienname bei einer Heirat genau so von der Ehefrau angenommen wurde. Heiratete also Herr Fürst Bernhard von Bülow, wird seine Ehefrau mit der Familiennamensänderung eine Frau Luise Fürst von Bülow. Nicht Fürstin, und auch der Familienname der gemeinsamen Kinder heißt korrekt Fürst von Bülow. Der ehemalige Adelstitel ist jedenfalls Bestandteil des bürgerlichen Familiennamens und darf keineswegs nach eigenem Ermessen weggelassen werden. Dass Ehefrauen und Töchter solcher Familiennamen nach wie vor die jeweils weibliche Form führen dürfen, ist zu respektieren. Wer das Namensrecht streng auslegt, müsste Folgendes schreiben: Briefanschrift: Herrn Dr. Friedrich Graf von Dannewitz, Briefanrede: Sehr geehrter Herr Dr. Graf von Dannewitz, mündliche Anrede: Herr Dr. Graf von Dannewitz. Mit dieser Formulierung würde man jedoch wenig Stilgefühl zeigen, denn es gibt noch eine weitere Form der Anrede, die die adelige Vergangenheit des Adressaten stärker berücksichtigt - ohne das Voranstellen der bürgerlichen Anrede Frau und Herr. Aus Salka Schwarz: "Renaissance der Höflichkeit. Fragen zur Etikette im 21. Jahrhundert".