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Mein schöner Garten
Sommerfreude mit Stockrosen

Elisabeth Dichter-Hallwachs und ihr Mann Reinhard leben im Stockrosen-Paradies. Die ehemaligen Herbergseltern der Jugendherberge in Neuerburg kümmern sich in ihrem Selbstversorgergarten in Utscheid um eine fröhliche Mischung aus Blumen, Obst und Gemüse.
Elisabeth Dichter-Hallwachs und ihr Mann Reinhard leben im Stockrosen-Paradies. Die ehemaligen Herbergseltern der Jugendherberge in Neuerburg kümmern sich in ihrem Selbstversorgergarten in Utscheid um eine fröhliche Mischung aus Blumen, Obst und Gemüse.
Utscheid. TV-Garten im August: Stockrosen begeistern den ganzen Sommer über mit ihren fröhlichen Farben. Dass sie auch den Tisch für Hummeln und Bienen reichlich decken, zeigt ein Besuch in einem Eifeler Stockrosen-Paradies. Von Kathrin Hofmeister

Stockrosen sprießen hier aus jeder Plattenfuge. Schon am Eingang zur Küche auf der Terrasse versprühen die wärmeliebenden Sommerblumen ihr mediterranes Lebensgefühl. „Und das ist erst der Anfang“, sagt Elisabeth Dichter-Hallwachs und führt rund um ein altes Bauernhaus im ländlich gelegenen Utscheid. Innerhalb des weitläufigen Selbstversorgergartens haben sich die meisten Blütentürme zwischen die Beerensträucher gemischt und wirken wie ein eigener Stockrosengarten. Sie leuchten kirsch- und himbeerrot, aprikosenfarben und spielen ins Vanillegelbe.

Der Standort an einem sonnigen Hang ist optimal: Stockrosen lieben sonnige Lagen, einen luftigen Stand und tiefgründige Böden, in denen das Wasser leicht abfließen kann. Bei schlechten Standortbedingungen sind sie anfälliger für den gefürchteten Malvenrost (siehe Extra). Auf dem Eifeler Wiesengrund ist die Pilzkrankheit kein Thema. Dicht an dicht stehen die Farbwunder und veranschaulichen einen Grundsatz ihrer Gestaltung: Als Gruppe kommen Stockrosen am besten zur Geltung. Da die biologisch wirtschaftende Gärtnerin ganz auf einfach blühende Vertreter setzt, kann man in den hübschen Schalenblüten eine Menge Hummeln und Bienen beobachten. „Ein Bauer hat seine Bienenstöcke hier aufgestellt“, berichtet ihr Mann Reinhard Hallwachs. Honigbienen besuchen Stockrosen besonders gerne. Bis sie sich mit viel Gesumse und Gebrumse zur Nektarquelle am Blütengrund durchgearbeitet haben, sind sie reichlich mit Pollen bepudert. Beim Besuch der nächsten Pflanze wird der ganz nebenbei abgestreift. Damit sind die schönsten Kreuzungen für die kommenden Stockrosensämlinge sichergestellt.

„Stockrosen versamen sich fantastisch“, sagen die ehemaligen Herbergseltern von der Jugendherberge in Neuerburg. Die Ursprünge ihrer unzähligen Stockrosen auf dem weitläufigen Gelände gehen auf ein einziges Samentütchen zurück. „Vor 20 Jahren habe ich eine Farbmischung gekauft“, erzählt Elisabeth Dichter-Hallwachs. Nachdem es auf der Burg keinen Platz für ein Gärtchen gab, pachtete die Familie ein eingezäuntes Stückchen Land im Ort. „Am Zaun sollten Stockrosen stehen“, beschreibt die Eiflerin ihr Bauerngartenideal. Doch anstelle von Blütenkerzen, die lustig über den Zaun grüßen, bedeckten breite Blattrosetten den Boden. „Damals hatte ich keine Ahnung von Stockrosen und war frustriert über die fehlende Blüte“, erinnert sie sich. Längst hat sie gelernt, dass die klassischen Stockrosen als typisch zweijährige Pflanzen erst im zweiten Jahr zum Blühen kommen. Die bis zwei Meter hohe Blütenähre treibt sie aus der im ersten Jahr gebildeten Blatt­rosette. Danach stirbt sie ab. Vor allem gefüllt blühende Sorten sind kurzlebig. Bei den einfach blühenden Stockrosen kann man versuchen, die Blütenkerzen abzuschneiden, bevor sie in Samen gehen, um die Lebensdauer zu verlängern. Mit etwas Glück blühen sie im nächsten Jahr wieder. Etwas ausdauernder sind die durch Einkreuzungen einer sibirischen Wildart entstandenen Feigenblättrigen Stockrosen (Alcea Ficifolia-Hybriden). Ihre Schalenblüten sind einfach und blühen ebenfalls in allen Nuancen von Gelb, Kupfer, Rot und Weiß.

Will man Samen ernten, muss man die Blütenkerzen bis zur Reife stehen lassen. Bei Stockrosen geht das schnell. Häufig sind die ersten Samen schon im August reif. „Am besten sät man sie dann gleich aus“, sagt Elisabeth Dichter-Hallwachs, „so machen sie es ja auch selber“. Ihrer Erfahrung nach, suchen sich Stockrosen ihre Plätze am liebsten selbst aus. Manchmal hat man aber doch eine bestimmte Vorstellung, wo sie wachsen sollen. In Fachbüchern heißt es, man solle sie einzeln in Töpfe säen, einmal pikieren und dann möglichst im September an ihren endgültigen Platz setzen. Weil sie eine Pfahlwurzel bilden, sind sie später schlecht zu verpflanzen. Die Praktikerin hat jedoch die Erfahrung gemacht; „dass man Sämlinge aus dem Garten auch noch im Frühjahr umsetzen kann.“ Als sie in den Ruhestand gegangen sind, habe sie aus Neuerburg Sämlinge mitgenommen: „Und schauen Sie, wie gut das geklappt hat: Die gucken einen mit ihren weit geöffneten Schalenblüten doch so an, als wollten sie sagen: Komm her, ich erfreue dich.“

Hummeln lieben Stockrosen. Allerdings müssen sie einfach blühen und dürfen nicht gefüllt sein.
Hummeln lieben Stockrosen. Allerdings müssen sie einfach blühen und dürfen nicht gefüllt sein.