1. Meinung

GArten: Töpfe winterlich einkleiden!

GArten : Töpfe winterlich einkleiden!

Eine Verwandte hat sich einen Ratgeber gekauft: Sein Leben entrümpeln oder so ähnlich. Darin geht es darum, sich von überflüssigen Dingen zu befreien. Sie schwärmt von ihrer neu gewonnenen Freiheit.

Kleider, die sie seit mehr als einem Monat nicht getragen hat, gibt sie in die Altkleidersammlung. Bücher, die im Regal verstauben, werden ausrangiert. Und überhaupt stehe bei ihr nichts mehr unnütz rum! Der gelebte Minimalismus ist eine Ansage für den Balkon. Kein Topf zu viel soll diesmal in die Wintersaison gehen. Dazu müsste man natürlich jeden Kübel mit Wechselflor abräumen und die Erde entleeren. Sie gilt als verbraucht und enthält wohlmöglich sogar Larven oder Eier von Schädlingen und Pilzsporen. Anschließend sollte man die Töpfe ausbürsten und zur Desinfektion in Essigwasser tauchen, bevor die Pflanzgefäße endgültig eingeräumt werden.

Ich fange dann doch lieber mit den Pflanzkübeln an, in denen Stauden und Gehölze den Winter überdauern werden. Sie bekommen eine Noppenfolie und drumherum einen Mantel aus Kokosmatten gegen starke Temperaturschwankungen. Von unten federt eine Styroporplatte Bodenkälte ab. Obenauf packe ich eine Isolierschicht aus trockenem Adlerfarn aus dem Wald. Als ich bei den überflüssig gewordenen Kübeln angelangt bin, wird es bereits dunkel. Fürs Erste schiebe ich die Töpfe in eine Ecke. Warum sollte ich sie eigentlich nicht, wie jedes Jahr, mit Tannengrün bestücken?! Es muss auch eine andere Art von Freiheit geben. Ich wüsste auch schon einen Titel für den entsprechenden Ratgeber: Sein Leben reicher machen dank kreativer Umgestaltung. In der nächsten Saison mische ich die alte Erde mit neuer. Das spart Schlepperei. Einen Nährstoffmangel konnte ich bislang nicht beobachten, und Krankheiten habe ich auch nicht zu beklagen. Was die Verwandte betrifft, musste sie unser letztes Treffen übrigens absagen: Sie habe gerade nichts Passendes anzuziehen.