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Tomaten als Spalier ziehen

Kathrin Hofmeister. Foto: privat
Kathrin Hofmeister. Foto: privat
Seit Jahren rate ich Hobbygärtnern, ihre Tomaten auszugeizen. So gehe die Kraft in die Fruchtbildung und nicht in die Entwicklung langer Ranken.

Jetzt sagt mir der Oberguru einer bekannten Saatgutfirma, die unter anderem Tomaten-Jungpflanzen vertreibt: "Im Hobbybereich bringt das ständige Ausbrechen der Triebe keine Vorteile!" Man wolle auf Balkon und Terrasse ja keinen Wettbewerb in Ertrag und Fruchtgröße gewinnen, sondern Lebensqualität. Freizeitgärtnern gehe es doch darum, ihre Zöglinge gedeihen zu sehen.

Beim Geschmackserlebnis der, endlich mal reif geernteten, Früchtchen will man das gute Gefühl haben: Diese Tomaten sind unter meiner Hand ganz ohne Pesti-, Fungi- und Insektizide herangereift. Die beliebteste Gruppe sind folglich die völlig unkompliziert zu ziehenden kleinen Tomaten. Cocktail-Tomaten - da steckt das Vergnügen schon im Namen. "Komm' doch auf n' Tomaten-Cocktail vorbei?" Klingt schick!

Und dann stehe man in Gesellschaft an der Balkonbrüstung und nasche gemeinschaftlich kleine rote Kuller von der Spalierwand. Spalierwand? Ja, klar, meint der Tomatenexperte. Das sei die ultimative Form des Tomatenanbaus im
urbanen Raum!

Ich habe sofort ein Bündel Weidenruten in die Gitterstäbe unserer Balkonbegrenzung geflochten. Davor stehen nun zwei 15-Liter-Töpfe. In einem wächst eine Wildtomate, deren Triebe von Haus aus innerhalb kürzester Zeit für Dschungelatmosphäre sorgen. Im anderen Kübel werden die Seitentriebe einer Cocktailtomate das Flechtwerk emporgeleitet.

Einen Wettbewerb haben wir auch schon ausgelobt: Wer die größte Tomatenspalierwand heranzieht!
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