Trierisch Balaawern

Trierisch Balaawern

Das Trierer Wörterbuch zählt für die Tätigkeit des Essens 18 verschiedene Wörter auf. Dinge und Tätigkeiten, die existenziell wichtig sind, die Menschen sehr beschäftigen, werden also offenbar auch differenziert benannt.

Daraus folgt, dass auch das Trinken an zentraler Stelle des Trierischen Denkens und Handelns steht, denn an gleicher Stelle sind in alphabetischer Reihenfolge siebzehn Eintragungen verzeichnet, nämlich dröngken, baadschen, balleren, bäschern, biejeln, draoderen, heewen, pischeln, pöddschen, saufen, schäbben, schasskeln, schlubbsen, schlubben, schwäschen, tangken und zwöddschern. Geordnet vom schlichten Durstlöschen über vergnügtes Genießen bis zum zügellosen Hineinschütten ist die Reihenfolge etwa so: dröngken, pischeln, pöddschen, zwöddschern, schlubbsen, schlubben, bäschern, draoderen, heewen, biejeln, schäbben, schasskeln, baadschen, schwäschen, balleren, tangken und saufen. Die zweite Hälfte beschreibt bereits ziemlich exzessiven Alkoholgenuss. Um davon abzulenken, dass es sich meist um eine größere Zahl von Gläsern, Schoppen, Poorzen oder Humpen handelt, die dabei geleert wird, setzt der Trierer diesen Verben immer das Wort aanen (einen) voran. "Gie mer aanen schlubben?" " Dir haott aawer gud aane getangkt!" Übermäßiges Trinken wird nicht gerne gesehen. Das lässt sich aus der Zahl der Schimpfwörter ableiten, die es für Trun-kenbolde gibt: Besuffski, Gorjelschäwngker, Raggmann, Raggmatz, Schlögger, Schlugger, Schnabbsnaos, Schwäschbaagen, Spriddkobb, Süffer und Suffkobb. Für Abstinenzler hat der Trie rer übrigens kein eigenes Wort. Enthaltsamkeit scheint ihm nicht existenziell wichtig zu sein. Horst Schmitt ist Autor des Trie rer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Josef Marx hat er mehr als 10 000 Stichwörter in Hochdeutsch-Trierisch und Trierisch-Hochdeutsch zusammengetragen. Die beiden Autoren erläutern in unserer Kolumne "Trierisch balaawern" Besonderheiten der Trierer Mundart