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THEATERGESCHICHTE(N)
Am Theater Trier wird gelacht, geweint, getanzt, gespielt und gesungen

Auch das neugeformte Ensemble hatte viel Spaß beim Theaterfest.
Auch das neugeformte Ensemble hatte viel Spaß beim Theaterfest. FOTO: Dirk Tenbrock
Am Theater Trier wird geplant, gefeiert, gelacht, geweint, getanzt, gespielt und gesungen. Von Dirk Tenbrock

Wenn das Theaterfest Anfang September als Gradmesser für die neue Spielzeit in Trier gelten kann, dann sind alle Beteiligten, inklusive des Publikums auf einem guten Weg. Die Besucherzahl war mit über 2000 – plus der ausverkauften abendlichen Gala – so hoch, wie schon lange nicht mehr und die Stimmung prächtig (der TV berichtete von „Gänsehaut und Goldflitter“).

Seit nunmehr gut einem Monat läuft der (Spiel-) Betrieb jetzt, die ersten Premieren und das 1. Sinfoniekonzert (Jochem Hochstenbach als neuer Generalmusikdirektor und sein Orchester ziehen schon sehr erfolgreich an einem Strang) sind gelaufen. Ein fulminanter Erfolg ist Operndirektor Jean-Claude Beruttis „Don Giovanni“, gefeiert von Kritik und Publikum, auch die sozialen Medien überschlugen sich schier vor Begeisterung der Besucher über die schlichte, aber eindrucksvolle und „herrlich normale“ Inszenierung (Theaterfreund Klaus-Peter Schilken), wunderbare Soprane (u.a. Réka Kristóf und Eva-Maria Amann) und einen glänzenden Don Giovanni (Carl Rumstadt). Apropos Giovanni: Der Neu-Trierer Dimetrio-Giovanni Rupp reüssiert gerade mit Barbara Ullmann im Keller-Studio in der schwungvollen Tragikomödie „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ (Regie: Ulf Dietrich). Es wird getanzt, gelacht und geweint, was die Theaterseele hergibt und 6x6 –  so der interne Jargon – scheint das Zeug zum neuen Kult-Stück zu haben. Wer sich über die Schreibweise des griechischen Helden-Namens des Dimetrio-Giovanni wundert (wir erinnern uns an Werner Tritschlers zauberhaften „Sommernachtstraum“ von 2012 mit Tim Stöneberg als – richtig – Demetrius), den belehrt der Schauspieler lachend: „Das war keine Absicht, eigentlich sollte ich wie mein italienischer Großvater Demetrio heißen, ein Fehler beim Standesamt, hat aus dem E ein I gemacht.“

Ob mit I oder E, der Mann (und die Frau) genossen offensichtlich beim Publikum Vorschusslorbeeren (die sie sich auch bei der launigen Moderation der Theaterfest-Gala erarbeitet haben), alle sieben Vorstellungen von 6x6 waren schon vor der Premiere komplett ausverkauft, die eilig anberaumten fünf Zusatzvorstellungen ebenfalls in Windeseile. Das hat es so am Theater in Trier auch noch nicht gegeben und darf als Beweis der Publikumsgunst und freudiger Erwartung für das 2018/19er-Ensemble gewertet werden. Intendant Manfred Langner erweist daher dem Stück die Ehre, ins Große Haus umziehen zu dürfen: Für die Vorstellung am 20. Dezember ebendort sind – Stand heute – noch wenige Karten erhältlich, aber sputen Sie sich! Bis dahin sind dann sicher auch die kleineren technischen Pannen behoben, die die ersten Vorstellungen im Studio begleiteten, die Zuschauer strahlten nachher aber dennoch wie Bolle. Auch das Kult-Stück der Vor-Saison wurde zum Abschluss vom ewig ausverkauften Kasino auf die große Bühne gehievt. „Ewig Jung“ kommt daher – Überraschung – am 28. und 29. November als Wiederaufnahme mit leicht veränderter Besetzung zurück ins Kasino, als Krankenschwester neu dabei sein wird Luiza Braz Batista. Die erste große Schauspielpremiere „Marx Bankett“ wurde zwar auch vom Publikum bejubelt, von der Kritik überwiegend positiv besprochen und bietet gute Unterhaltung sowie intellektuellen Mehrwert; hier sind jedoch noch reichlich Karten für die kommenden Vorstellungen zu bekommen. Vielleicht ist das Trierer Publikum nach zehn Monaten intensivster Marx-Berieselung des großen Philosophen einfach überdrüssig.

Überdrüssig, könnte man meinen, sind die Trierer auch des Schauspielers, Sängers und Erzählers Dominique Horwitz, der in den vergangenen Jahren häufiger in der Gegend zu Gast war. Doch weit gefehlt: der Mann ist so vielschichtig, dass auch sein jüngstes Gastspiel mit dem Mosel Musikfestival im Theater fast 500 Besucher anlockte. Es war eine wunderbarer (nochmaliger, aber anderer) Sommernachtstraum. Verstörend nur die plötzliche Haarpracht des Künstlers mit den (von ihm selbst gern kokett auf die Schippe genommenen) abstehenden Ohren, der sonst mit glänzender Glatze oder raspelkurzem Mecki zu sehen war. „Ich habe gedacht, da kommt jetzt Schnulzenkönig Semino Rossi aus der Kulisse“, raunt eine Dame im Parkett.

Nicht nur die Haare von Dominique, nein auch die Technik im Theater erneuert sich (langsam). Kompatibel zu einer zukünftigen, (nach Um- oder Neu-Bau oder was auch immer) baulichen Lösung, ist jedenfalls die blinkend flammneue Lichtanlage und das hausinterne Lautsprech-System, das die Kommunikation hinter den Kulissen auf sichere Beine stellt und verhindert, dass die Akteure sich beim Kaffee in der Kantine verquatschen und ihren Bühneneinsatz verpassen.

Der Zuschauerandrang ist so groß, dass die bisher angesetzten Märchenvorstellungen vom „Zauberer von Oz“ fast schon ausverkauft sind, die Verwaltung kommt den Reservierungswünschen kaum hinterher und arbeitet daran, weitere Termine zu planen, damit auch alle Kartenwünsche von Schulklassen erfüllt werden können.

Und die schönsten Neuigkeiten zum Schluss: es gibt einen regelrechten Baby-Boom am Haus, Ching-Yu Chi (Tanzensemble), Martin Geisen (Schauspiel), Matthias Schramm (Technik) und der 1. Kapellmeister, Wouter Padberg sind Eltern geworden. Intendant Langner überreichte ihnen Strampelanzüge mit dem Aufdruck „Theater Trier“, damit die Kleinen wissen, wo ihre Eltern so oft sind. Es bleibt spannend!
⇥ Von Dirk Tenbrock