Die Kulturwoche, betrachet von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Was von der Liebe bleibt und was dem Kaiser fehlt

Die Kulturwoche, betrachet von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden

Was darf man in einer Ausstellung mit dem Titel „Abfallprodukte der Liebe“ erwarten? Damit nicht die falschen Besucher kommen, sei eines gleich zu Anfang klargestellt: Es geht weder um benutzte Präservative noch defekte Vibratoren. Vielmehr widmet sich die Schau drei Kunstschaffenden, die lebenslang eine Freundschaft miteinander verbunden hat: der Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch, dem Filmemacher und Aktivisten Rosa von Praunheim sowie dem Theater-, Opern- und Filmregisseur Werner Schroeter (1945–2010). Der ist auch für den Titel verantwortlich, bezieht er sich doch auf seinen Film „Poussières d’amour“ (1996), der eine Hommage an die Oper darstellt.

Die drei Künstler, allesamt der Westberliner Subkultur entstammend, haben eben dieselbe geprägt: Sie treten für die Akzeptanz von abweichendem Sexualverhalten ein, verweigern jegliche bürgerliche Konvention und sind Grenzgänger zwischen den Künsten. Bereits in den 1960ern, also lange vor den ersten Gender-Diskussionen in Deutschland, griffen sie Fragen zu „Body-Politics“ und „Otherness“ auf, also Körpergeschichte und Andersartigkeit  auf. Sie gehören also zu den (seinerzeit misstrauisch beäugten) Pionieren, die den Boden dafür bereiteten, dass derlei Diskussionen heute in jedem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zur Primetime stattfinden können. Auf der Suche nach „anderen Filmen, anderen Bildern und anderen Lebensformen“, so Elfi Mikesch über die Ausstellung, sind ihre Arbeiten vom amerikanischen Experimentalfilm und von Parodien auf die Trivialkultur inspiriert und in eigenen Handschriften fortgeschrieben. Mit aktuellen Arbeiten von Mikesch und Rosa von Praunheim schlägt „Abfallprodukte der Liebe“ eine Brücke über fünf Jahrzehnte bis in die Gegenwart. Zu sehen vom 18. Mai bis 12. August in der Berliner Akademie der Künste.

Manchmal reicht ein Hase für Ruhm und Nachruhm. Die Rede ist vom berühmten Nager-Logo für den „Playboy“, das der Grafiker Art Paul geschaffen hat. 93-jährig ist der Künstler (sein Vorname war offenbar Programm) nun in Chicago gestorben. „Playboy“-Gründer Hugh Hefner (1926-2017) hatte Paul kurz vor der Herausgabe der ersten Zeitschrift 1953 in Chicago kennengelernt. Das schnell skizzierte Bunny-Logo des Grafikers – ein Hasenkopf mit langen Ohren und einer Fliege – wurde zum Erkennungszeichen des Magazins. Als langjähriger Art Director der Zeitschrift konnte Paul berühmte Künstler wie Andy Warhol und Salvador Dalí für Illustrationen gewinnen. Und deren Beiträge (sowie die Essays etwa Norman Mailer oder anderen Autoren und Intellektuellen) waren es schließlich, derentwegen Männer in aller Welt das Magazin käuflich erwarben.

Zum Schluss ein paar Fakten, die weder alternativ noch fake sind: Eine lebensgroße Straßenkunst-Statue, die den derzeitigen US-„Präsidenten“ nackt zeigt (als ob er angezogen nicht schon widerwärtig genug wäre!), ist in den USA versteigert worden. Die wenig schmeichelhafte Skulptur – sie hat einen überwölbenden Bierbauch und kaum etwas darunter – brachte bei einer Versteigerung des Auktionshauses „Julien’s“ 28 000 Dollar (rund 23 000 Euro) ein. Käufer ist Zak Bagans, Betreiber des „Haunted Museum“ („Spukmuseum“) in Las Vegas, wo nach Eigendarstellung „paranormale“ Objekte ausgestellt werden. Einen treffenderen Ort kann man sich für ein solches Werk in der Tat schwerlich vorstellen. Und dass sie wenig  schmeichelhaft ist – geschenkt! Schließlich ist das Original schon unschmeichelhaft genug.

Mehrere dieser Skulpturen waren übrigens während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 an öffentlichen Plätzen in verschiedenen Städten der USA aufgetaucht und dann von den Behörden rasch wieder entfernt worden. Bei der jetzt angebotenen Figur handelte es sich um die letzte, die dabei nicht zerstört oder beschmiert worden war (sie stand wahrscheinlich im tiefsten amerikanischen Hinterland). Sie trägt übrigens den Titel „The Emperor has no Balls“ (übersetzt etwa: „Der Kaiser hat keine Eier“). Zutreffender wäre natürlich der Titel „The Emperor has no Brains“ (übersetzt etwa: „Der Kaiser hat keinen Verstand“). no/dpa