Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Unerzählte Geschichten und knallende Lippenstifte

Peter Brodbeck war nach seinem Volksschulabschluss Schaufensterdekorateur bei Karstadt und Horten, ging mit 18 auf Reisen durch die Schweiz, Spanien und Frankreich und studierte an der Kunsthochschule Krefeld Malerei, bis er sich 1971 der Fotografie zuwandte und als Peter Lindbergh weltberühmt wurde.

Im vergangenen Jahr ist er im Alter von 75 Jahren in Paris gestorben. Sein Vermächtnis – beziehungsweise ein Teil davon – ist derzeit im Düsseldorfer Museum Kunstpalast zu sehen. Die Ausstellung „Untold Stories“ ist die erste von ihm selbst kuratierte Werkschau, an deren Präsentation er zwei Jahre lang gearbeitet hat. Lindberghs Zusammenstellung von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis heute ermöglicht einen eingehenden Blick auf sein umfangreiches Œuvre und lädt zum Entdecken vieler bislang unerzählter Geschichten ein.

Ein Großteil der Aufnahmen wurde noch nie in Ausstellungen gezeigt; andere wurden von Zeitschriften wie Vogue, Harper’s Bazaar, Interview, Rolling Stone, W Magazine oder dem Wall Street Journal in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Nicht die Mode, sondern der porträtierte Mensch steht in seinen Bildern im Vordergrund, mit denen er die Modefotografie als Teil der zeitgenössischen Kultur definiert hat. „Untold Stories“ ist bis zum 1. Juni zu sehen.

Wozu ist ein Lippenstift gut? Um Vergewaltiger mit einem Knall zu erschrecken und die Polizei zu alarmieren – zumindest, wenn es nach dem indischen Hobbytüftler Shyam Chaurasia geht. Der 28-Jährige hat eine besondere Art des Kosmetikartikels entwickelt, um Frauen vor sexuellen Übergriffen zu bewahren. Ebenso wie die von ihm entworfenen silbernen Stöckelschuhe und goldene mit bunten Steinen besetzte Handtaschen. Die knallen auf Knopfdruck und sollen – hoffentlich – andere Menschen alarmieren. „Heutzutage braucht es solche Gegenstände, weil sonst nichts gegen diese abscheulichen Verbrechen zu wirken scheint“, sagt Chaurasia. Auch deutsche Frauenberatungsstellen sehen ein gewisses Potenzial. „Grundsätzlich ist es gut, in einer bedrohlichen Situation Öffentlichkeit herzustellen und sich bemerkbar zu machen“, sagt die Geschäftsführerin des Dachverbands der autonomen Frauenberatungsstellen NRW, Martina Schmitz. Doch bei allem Respekt vor dem Erfindergeist des jungen Mannes: Welche Frau ist so cool, bei einer Attacke erst mal nach dem Lippenstift zu kramen, um sich für ihren Angreifer schön zu machen, um ihn dann mit einem Knall in die Flucht zu jagen? Klingt doch eher wie ein nettes Requisit für einen Hollywoodfilm … no/dpa