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Die Kulturwoche - betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Musik hält jung und macht unsterblich

Es hat ja schon einige skurrile Typen unter den „Tatort“-Kommissaren gegeben. Zwei von ihnen hatten ein Alleinstellungsmerkmal, das ihnen bis heute keiner streitig gemacht hat: Die Hamburger Ermittler Manfred Krug alias Paul Stoever und sein Kollege Charles Brauer alias Peter Brockmüller haben während ihrer Recherchen in nahezu jeder Folge Zeit gefunden, einen Schlager zu trällern.

Krug ist 2016 im Alter von 79 Jahren gestorben; Charles Brauer wird heute 85 und ist immer noch aktiv. Und für die Songs, die er mit seinem Kollegen gesungen hat, haben die beiden bei ihrem „Tatort“-Abschied sogar eine Goldene Schallplatte mit nach Hause nehmen können – neben der Goldenen Kamera. Und wenn ­Brauer heute feiert, macht er das nicht etwa in ­altersangemessener behäbiger Runde, sondern mit seiner Familie auf einer Bergtour in seiner Schweizer Wahlheimat. Übrigens: Brauer gehört vermutlich zu den dienstältesten Publikumslieblingen, die im deutschen Fernsehen (immer noch) aktiv sind: Zwischen 1954 und 1960 spielte er in der ersten deutschen Familienserie „Familie Schölermann“, produziert vom damaligen NWDR, den älteren Sohn Heinz (Regie: Ruprecht Essberger). Seine Karriere ist übrigens ein Beispiel dafür, dass man manchmal nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss, und der Rest erledigt sich dann von selbst: 1946 wurde der Junge, der damals noch Charles Knetschke hieß, zwischen den Trümmern der zerbombten Hauptstadt für eine Rolle in der Defa-Produktion „Irgendwo in Berlin“ angesprochen – es wurde der zweite deutsche Film nach dem Krieg.

Weitere Leinwandauftritte sowie Engagements auf Berliner Privatbühnen folgten. Auch als Vorleser hat er sich Meriten erworben: Sämtlichen Justiz-Thrillern von John Grisham lieh er seine Stimme, was den Autor der Bücher so sehr begeisterte, dass er ihm in einem Brief mitteilte: „I keep writing, you keep reading!“ (Ich schreibe weiter, und Sie lesen weiter!) no/dpa