1. Meinung

Die Kulturwoche - betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Jahrzehnte des Rätselns und Suchens

Manche Rätsel sind ziemlich langlebig. 130 Jahre hat es gedauert, bis folgende Frage geklärt werden konnte: Wo hat Vincent van Gogh (1853-1890) sein letztes Bild gemalt? Gemäß einer Mitteilung des Amsterdamer Van Gogh-Museums ist der Ort nun entdeckt worden („mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, wie es immer so schön heißt, wenn man sich vorsichtshalber noch ein Hintertürchen offen halten will): Er liegt im nordfranzösischen Auvers-sur-Oise, 35 Kilometer nordwestlich von Paris.

Die Stelle, wo der Künstler seine Staffelei aufgestellt hat, ist jetzt als besondere Sehenswürdigkeit ausgezeichnet worden. Demnach soll der niederländische Maler sein Bild „Baumwurzeln“ an einem mit Bäumen und Wurzeln bewachsenen Hügel gemalt haben. Der größte Baumstrunk auf dem Bild ist nach Angaben des Museums noch immer zu sehen.

Der Direktor des Van Gogh-Instituts in dem Ort, Wouter van der Veen, hat die Stelle zufällig entdeckt – auf einer mehr als 100 Jahre alten Ansichtskarte, auf der ein Hügel mit den charakteristischen Bäumen und Wurzeln abgebildet war. Forscher des Amsterdamer Museums hatten Foto und Gemälde miteinander verglichen. Laut Aussagen von Experten malte Van Gogh häufiger Motive aus seiner direkten Umgebung. Auf der Grundlage des dargestellten Sonnenlichts schlossen die Experten auch, dass er es am Ende des Nachmittags gemalt hatte. Am selben Tag hatte er sich erschossen (was allerdings nichts mit der Qualität seines letzten Werks zu tun gehabt haben dürfte). Die Stelle befindet sich etwa 150 Meter von der Auberge Ravoux entfernt. In der Herberge hatte Van Gogh die letzten zwei Monate seines Lebens verbracht.

Nach gegenwärtigem Wissensstand hinterließ Van Gogh insgesamt 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen, die allesamt in den letzten zehn Jahren seines Lebens entstanden sind. Während er zu Lebzeiten nur wenige Bilder verkaufen konnte, erzielen seine Werke seit den 1980er Jahren bei Auktionen Rekordpreise.

 HANDOUT - 03.05.2020, Frankreich, Auvers-sur-Oise: Ein Hügel mit Bäumen und Wurzeln. Hier soll der der niederländische Maler Vincent van Gogh sein letztes Gemälde «Baumwurzeln» gemalt haben. Kurze Zeit später nahm er sich das Leben. Der größte Baumstrunk auf dem Bild ist in Nordfrankreich noch immer zu sehen. Forscher des Amsterdamer Van Gogh-Museums hatten Foto und Gemälde miteinander verglichen und untersucht. Foto: -/©arthénon/Van Gogh-Museum/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
HANDOUT - 03.05.2020, Frankreich, Auvers-sur-Oise: Ein Hügel mit Bäumen und Wurzeln. Hier soll der der niederländische Maler Vincent van Gogh sein letztes Gemälde «Baumwurzeln» gemalt haben. Kurze Zeit später nahm er sich das Leben. Der größte Baumstrunk auf dem Bild ist in Nordfrankreich noch immer zu sehen. Forscher des Amsterdamer Van Gogh-Museums hatten Foto und Gemälde miteinander verglichen und untersucht. Foto: -/©arthénon/Van Gogh-Museum/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/-
 HANDOUT - 21.01.2020, Niederlande, Amsterdam: Dieses Bild einer vom Van Gogh Museum zur Verfügung gestellten Postkarte zeigt eine verblichene Ansichtskarte mit einem Mann, der neben einem Fahrrad auf einer Nebenstraße des Dorfes Auvers-sur-Oise steht. Auf dieser Karte ist laut einem niederländischen Forscher der Ort zu sehen, an dem der Künstler Van Gogh an seinem letzten Werk „Tree Roots“ («Baumwurzeln» (1890)) malte, bevor er am 27. Juli 1890 eine tödliche Schussverletzung erlitt. Foto: Uncredited/Van Gogh Museum/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
HANDOUT - 21.01.2020, Niederlande, Amsterdam: Dieses Bild einer vom Van Gogh Museum zur Verfügung gestellten Postkarte zeigt eine verblichene Ansichtskarte mit einem Mann, der neben einem Fahrrad auf einer Nebenstraße des Dorfes Auvers-sur-Oise steht. Auf dieser Karte ist laut einem niederländischen Forscher der Ort zu sehen, an dem der Künstler Van Gogh an seinem letzten Werk „Tree Roots“ («Baumwurzeln» (1890)) malte, bevor er am 27. Juli 1890 eine tödliche Schussverletzung erlitt. Foto: Uncredited/Van Gogh Museum/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Uncredited

Meistens sind es Wohnungs- oder Autoschlüssel, hastig zusammengekritzelte Einkaufslisten oder Brillen, die man irgendwo abgelegt hat und nirgendwo wiederfindet. Dass auch Kunstwerke Opfer von Schusseligkeit werden, dürfte allerdings eher selten sein. Ein als gestohlen gemeldetes Kunstwerk des deutschen Künstlers Gerhard Richter ist beim Transport in eine Wiener Galerie nach neuen Erkenntnissen der Polizei nur „vergessen“ worden. Der Druck von 1998 mit dem Titel „Übersicht“ hätte laut Polizei gemeinsam mit 21 weiteren Werken Mitte Juli aus dem niederösterreichischen Ort Purkersdorf in die Galerie transportiert werden sollen, kam aber nie dort an. Eine Frau aus Purkersdorf hatte sich am Dienstag bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass sich das 82,5 mal 68,2 Zentimeter große bedruckte Büttenpapier noch immer an seinem alten Platz befinde. Ermittler hatten den Wert des Drucks im mittleren vierstelligen Bereich angegeben. Die Moral von der Geschichte: Ehe man das alte Domizil endgültig hinter sich lässt, besser noch mal durch sämtliche Räume gehen. Erst wenn man sich davon überzeugt hat, dass selbst im Badezimmer kein Kunstwerk rumsteht, kann man die Tür beruhigt hinter sich zuschlagen. no/dpa