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Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : „Stolz wie eine Kuh mit sieben Eutern“

An Markus Söder scheiden sich die Geister. Nicht jedoch, wenn es um eine andere bayerische Institution geht: Die Münchner Kammerspiele sind erneut zum „Theater des Jahres“ gewählt worden.

In einer Umfrage unter 44 Kritikerinnen und Kritikern schnitt das Haus am besten ab, wie das Magazin „Theater heute“ in Berlin mitteilte. Damit wurden die Kammerspiele zum zweiten Mal hintereinander gewählt – jeweils unter der Leitung von Matthias Lilienthal. Der 60-Jährige hatte seine Intendanz an den Kammerspielen vor kurzem beendet und war zurück nach Berlin gegangen. Damit nicht genug der Ehre: Sandra Hüller („Toni Erdmann“) ist wie bereits im vergangenen Jahr „Schauspielerin des Jahres“ geworden – für ihre „Hamlet“-Darstellung am Schauspielhaus Bochum. Und Fabian Hinrichs, bekannt aus dem fränkischen „Tatort“, darf sich „Schauspieler des Jahres“ nennen. Zusammen mit René Pollesch erarbeitete er ein Stück für den Berliner Friedrichstadt-Palast: In „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“ dachte er im Goldanzug über Einsamkeit und Kapitalismus nach. Zur Inszenierung des Jahres wählten die „Theater-heute“-Kritiker das Stück „Tanz“ der Choreographin Florentina Holzinger, die damit auch zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen worden war. Und Ewald Palmetshofers „Die Verlorenen“ wurde das „Stück des Jahres“. Die preisgekrönte Nachwuchsdarstellerin ist in Trier übrigens keine Unbekannte: Gina Haller war von 2015 bis 2017 im hiesigen Ensemble unter anderem in „Molière“ und als „Peter Pan“ zu sehen.

„Stolz wie eine Kuh mit sieben Eutern“: Auf diesen Vergleich muss man erst mal kommen. Bei der Niederländerin Marieke Lucas Rijneveld liegt er freilich nahe, denn sie arbeitet nebenher auf einem Bauernhof. Im Hauptberuf ist sie Schriftstellerin und hat für ihren Roman „The Discomfort of Evening“ (auf Deutsch unter dem Titel „Was man sät“ im Suhrkamp-Verlag erschienen) den International-Booker-Literaturpreis erhalten. Sie ist mit 29 Jahren die jüngste Autorin, die jemals die hohe britische Auszeichnung bekommen hat. „Rijnevelds Sprache zeigt die Welt neu, enthüllt die Schocks und Gewalt der frühen Jugend durch das Prisma eines niederländischen Milchviehbetriebs“, urteilt die Jury. Das Werk zeigt die Unbehaustheit eines Kindes, das in einer ultra-religiösen Familie aufwächst und verbogen wird, womit Rijneveld eigene Erfahrungen verarbeitet. Eine noble Geste der Autorin setzt auch die Arbeit ihrer Übersetzerin ins rechte Licht: Sie teilt sich den mit 50 000 Pfund (knapp 56 000 Euro) dotierten Preis mit Michele Hutchison, die das Werk ins Englische übertragen hat.

Schauspieler des Jahres: Fabian Hinrichs. Foto: dpa/Annette Riedl

Noch einmal Gelegenheit, sich von dem Schauspieler Thilo Prückner zu verabschieden, der am 2. Juli 79-jährig in Berlin gestorben ist,  haben die Fernsehzuschauer an diesem Samstag (29. August). Als Hausmeister Max gehörte er zum Ensemble der ZDF-Krimireihe „Kommissarin Lucas“, die Ulrieke Kriener seit 18 Jahren verkörpert. In der aktuellen Folge ist er nun zum letzten Mal mit von der Partie. Dieses Mal will der skurrile Max Kirchhoff das Haus renovieren – und dafür so wenig Geld wie möglich ausgeben. Jetzt müssen sich die Drehbuchautoren für den nächsten Film einen plausiblen Grund dafür ausdenken, warum er nicht mehr da ist. Dafür haben sie allerdings noch etwas Zeit: Die nächsten zwei Folgen sollen erst im März 2021 gedreht werden. no/dpa