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Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Politik und Kunst – eine Liebe aus Deutschland

Den Mitarbeitern der Central Intelligence Agency, kurz CIA, traut man ja so einiges zu, wenn es darum geht, Amerika „great“ zu halten. Häufig bedient sich der Geheimdienst, darin seinem Polterboss im Weißen Haus nicht unähnlich, der Desinformation und illegaler Mittel, um seine Ziele zu erreichen.

Dass die Mitarbeiter allerdings auch über künstlerische Talente verfügen, dürfte nun doch den ein oder anderen überraschen. Das nämlich will der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe herausgefunden haben, der dem Scorpions-Sänger Klaus Meine jüngst erzählte, der Welthit „Winds of Change“, der in der deutschen Fassung zur Wendehymne wurde, sei von eben jenem Geheimdienst geschrieben worden.

„Erst mal habe ich laut gelacht. Ich habe das nicht ernst genommen, aber wir leben ja in Zeiten, wo diese Verschwörungstheorien total aufgesogen werden“, sagte Meine. Außerdem glaube er, dass das Lied auch viel eher ein Thema für den KGB gewesen sei, weil der Song wie ein Stadtführer durch Moskau wirke. Meine hatte den Song im September 1989 in seinem Homestudio eingespielt, inspiriert vom Auftritt der Scorpions beim Moscow Music Peace Festival vor rund 250 000 Zuschauern im Moskauer Lenin Stadion – „ein russisches Woodstock mit Fans aus dem gesamten Ostblock“. Ergänzen wir das Gerücht durch eine viel plausiblere Version: Der Song stammt von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. In weiser Voraussicht auf seine postpolitischen Tätigkeiten hat er in langen Nächten, umwölkt vom Qualm der Cohiba-Zigarren und begleitet von inspirierendem Château Lafite-Rothschild, in seinem Salon in Hannover am Steinway gesessen und „Wind of Change“ für seinen Freund Meine komponiert – und sich damit gleichzeitig den Weg in die Herzen von Gazprom und Putin geschrieben.

Denn deutsche (Ex-)Politiker, mehr als alle anderen Staatenlenker weltweit, sind grundsätzlich der Kunst zugetan. Helmut Schmidt beispielsweise. Er reüssierte seinerzeit nicht nur als Pianist mit einem Klavierkonzert von Mozart; auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst hat er Spuren hinterlassen. Sie dürfte wohl ziemlich verräuchert sein, die private Sammlung von Helmut und Loki Schmidt, angesichts unzähliger Zigaretten, die das tabakaffine Paar täglich zu rauchen pflegte. Rund 150 Gemälde, Plastiken und kunstgewerbliche Gegenstände aus dem berühmten Kanzler-Reihenhaus in Hamburg-Langenhorn gehören zur Sammlung, die das Hamburger Ernst-Barlach-Haus zeigt. Im Zentrum stehen Ernst Barlach, Emil Nolde, Hamburger Maler und die Künstlerkolonie Worpswede. Erstmals würden die Werke außerhalb des Schmidt-Wohnhauses präsentiert, sagte Museumsleiter Karsten Müller. Damit könnten auch einem breiteren Publikum Einblicke in die kunstsinnige Lebenspartnerschaft der Schmidts geboten werden. „Kanzlers Kunst“ heißt hanseatisch  kurz und knapp die Schau, die bis zum 31. Januar zu sehen ist.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki. Foto: dpa/Ulrich Perrey

Wer als Auswärtiger nach dem Museumsbesuch anschließend noch einen Abend im Ohnsorg-Theater plant, muss ab sofort nicht mehr befürchten, nur noch Bahnhof zu verstehen, wenn die Akteure auf der Bühne Plattdütsch snacken. Das Theater will ab sofort bei ausgewählten Vorstellungen hochdeutsche Untertitel anbieten. Zu den Stars des mehr als hundertjährigen Theaters gehörten einst Heidi Kabel („Tratsch im Treppenhaus“) und Henry Vahl („Opa wird verkauft“). Übrigens: Derlei Untertitel würden auch manchem „Tatort“ gut zu Ohr stehen, etwa aus München oder Wien. Oder überhaupt all denen, deren Mitwirkende sich am liebsten nuschelnd verständigen. no/dpa