1. Meinung

Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Mit Musik geht alles besser

Das muss man unseren soeben wieder gewonnenen amerikanischen Freunden lassen: Feiern können sie, dass es kracht. Den Umständen entsprechend zwar nicht mit den Hunderttausenden Menschen, die nur zu gerne bei der Einführung von Joe Biden in corpore vor dem Kapitol in Washington anwesend gewesen wären –, aber was das Showprogramm rund um seinen Dienstbeginn angeht, da haben sich Joe und Jill und ihre Kameraden nicht lumpen lassen.

Lady Gaga war dabei, die, der Würde des Auftritts angemessen, vielleicht besser als Stefani Joanne Angelina Germanotta ans Mikro getreten wäre, um den „Star-Spangled Banner“ zu schmettern, diese ganz und gar nicht dem Pazifismus verpflichtete Nationalhymne – immerhin ist da von „rockets‘ red glare“ und „bombs bursting in air“ die Rede, also vom roten Feuerschweif der Raketen und explodierenden Bomben (man stelle sich nur mal vor,  August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wäre 1841 auf Helgoland auf so was gekommen!). Schwamm drüber, ist ja nur ein Song, und da gehen einem Lyriker – in diesem Fall Francis Scott Key, der sich 1814 diebisch über einen Etappensieg der Amerikaner über die Briten bei Baltimore freute – beim Dichten eben manchmal die Pferde durch.

Bald steht ja auch hierzulande wieder eine Kanzlerkrönung ins Haus. Sollte man aus diesem Anlass in Berlin nicht auch mal richtig auf die Pauke hauen? Wir haben uns ein paar Gedanken gemacht, welcher Politiker (eine Frau steht ja dieses Mal wohl nicht zur Debatte) mit welchem Lied ins Amt eingeführt werden könnte. Das bedeutet natürlich auch, für alles gewappnet zu sein, denn wer weiß, welcher Kandidat (oder vielleicht doch Kandidatin?) in letzter Minute wie Kai aus der Kiste auf die Bühne springt? Schließen wir mal universell einsetzbare Lieder wie „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen aus – so einfach wollen wir es uns dann doch nicht machen. Friedrich Merz beispielsweise – höchst unwahrscheinlich, aber na ja – der könnte sich zur Inthronisation wünschen „Ich brauche keine Millionen“, denn die hat er ja schon beim Erklimmen schwarzer Felsen gesammelt. Markus Söder, der bereits in den Soffiten lauert, kann mit „Ozapft is‘“ das Podium betreten; wahlweise, wenn‘s ein bisschen getragener sein soll, „Die Glocken vom Königssee“.  Norbert Röttgen empfehlen wir nach mehreren Anläufen im Falle eines Erfolges „Träume werden wahr“ von Rapper Mero, was ja für den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses insofern folgerichtig ist, da Mero alias Enes Meral türkische Wurzeln hat. Für Jens Spahn, den hochgelobten und viel kritisierten, schlagen wir die Trosthymne „Es wird ja alles wieder gut“ vor. Und womit Armin Laschet, der joviale Rheinländer, seine mögliche Kanzlertätigkeit beginnen wird, das dürfte ja wohl klar sein: Ihm werden „De Höhner“ bei der Inauguration musikalisch zur Seite stehen – mit „Einmal Prinz zu sein …“

Wenn es dem Kanzleramt jetzt noch gelingt, für die musikalische Einlage Lady Gaga oder Jennifer Lopez zu gewinnen, steht einer weltweiten Live-Übertragung der Kanzlerproklamation zur besten Sendezeit nichts mehr im Weg. no