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Die Kulturwoche - betrachtet von TV-Reporter Rainer Nolden
Wo Hunde reindürfen und überall Kunst gezeigt wird

Dieser Mops in Lebensgröße von Johann Joachim Kaendler wurde 1741 in Meißen gebrannt und ist nun im Düsseldorfer Hetjens-Museum zu sehen.
Dieser Mops in Lebensgröße von Johann Joachim Kaendler wurde 1741 in Meißen gebrannt und ist nun im Düsseldorfer Hetjens-Museum zu sehen. FOTO: Rainer Nolden / TV
Die Kulturwoche - betrachtet von TV-Reporter Rainer Nolden

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Dieser Spruch, Hunde- und Humorliebhaber werden es wissen, stammt von Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt als Vicco von Bülow, noch besser bekannt als Loriot. Selbiger besaß selbst sein Leben lang meist mehrere Exemplare dieser Rasse und lag damit, hundebesitzermäßig gesprochen, im Trend, gehört der Mops doch zu den zehn beliebtesten Hunderassen. Und er kann auf ein stattliches Alter zurückblicken: In China wurde er vor mehr als 2000 Jahren erfunden beziehungsweise aus doggenähnlichen Hunden „herausgezüchtet“, wie es in Kreisen der Vervielfältiger des Menschen besten Freundes heißt. Im Reich der Mitte war der Mops übrigens ein reiner Kaiserköter; will sagen, kein ­Normalsterblicher durfte Hand an sein Fell legen. Es heißt, dass die Hunde, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht zur Weiterzüchtung eigneten, an das einfache Volk verscherbelt wurden. Und aus der Mitte des Volkes gelangte der Mops im 16. Jahrhundert mit der niederländischen Ostindien-Kompanie ins Land der Tulpen und Windmühlen und eroberte die Herzen vor allem der Damen in den Salons, auf deren Schößen er fortan ein bequemes Leben fristen durfte. Außerdem wurde der Mops zum beliebten Kunstobjekt, porträtiert etwa von Goya oder Hogarth. Immerhin hielt er sich als Modehund bis etwa 1900; ab da machte ihm der Pekinese den Rang als Knuddelhund streitig.

Der Mops lebt nicht nur auf Bildern weiter, sondern auch als Porzellanfigur. Und wenn es um Porzellan geht, ist Meißen nicht weit. Die sächsische Manufaktur hat jede Menge von diesen Vierbeinern gebrannt, und rund 60 sind jetzt im Düsseldorfer Hetjens-Museums zu sehen. Und das Schöne an den kalten, glatten Viechern: Sie sind „Garantiert stubenrein!“ So ist auch die Ausstellung überschrieben, die am 23. Februar eröffnet wird und garantiert ohne störendes Gebell angeschaut werden kann.

Bleiben wir im Museum. Warum sollten die Kunsttempel nicht auch mal Nabelschau betreiben dürfen? Das macht die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden ab Anfang März bis zum 17. Juni. „Ausstellen des Ausstellens“ heißt etwas rätselhaft die Schau, die sich damit beschäftigt, wie Kunst gezeigt wird. Denn wer bisher glaubte, es sei damit getan, Bilder an die Wände zu hängen oder Skulpturen mitten in die Hallen zu stellen, damit man sie beim Durchqueren derselben nicht übersieht, erfährt hier, dass das alles nicht so einfach ist. Was einst in Vitrinen und Wunderkammern auf überschaubarem Raum betrachtet werden konnte, hat sich zu einer komplizierten kuratorischen Mammutaufgabe ausgewachsen, und die ist längst nicht mehr auf die klassischen Musentempel beschränkt. Fast jede beliebige Stätte eignet sich zum Ausstellungsort, heißt es in der Ankündigung. Das kann ein Schaufenster sein oder ein Kiosk, die Vorhalle einer Bank oder eine Kneipe, wobei in letzterer vermutlich eher weniger Rembrandts oder Picassos zu sehen sind, sondern oftmals Kunst, die auch weg kann. Mit einer denkwürdigen Betrachtung endet die Pressemitteilung über das Ausstellen des Ausstellens: „Ausstellungen ohne Publikum werden nicht gesehen!“ Diesem in seiner Wahrhaftigkeit geradezu überwältigenden Satz ist nichts mehr hinzuzufügen. ⇥no