Die Kulturwoche, betrachtet von Volksfreund-Mitarbeiter Dr. Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Mondiale Mauscheleien

Von unserer Bundeskanzlerin ist bekannt, dass sie gerne Opern besucht. Im Sommer vorzugsweise in Bayreuth, aber wer das Festspielhaus kennt, weiß, dass nur Hardcore-Wagner-Fans die musikalischen Vierstünder in oft sommerwarm-kuscheliger Luft zu genießen verstehen, zumal auch die Sitze im Parkett nicht gerade Lufthansa-First-Class-Niveau haben.

Von Frau zu Frau hat, dies ist aus vertraulichen Quellen an die Öffentlichkeit gesickert, ein Treffen zwischen den Damen Merkel und Bierlein im Wiener Hotel Sacher stattgefunden. Einziges Thema bei diesem Tête-à-tête: Unsere Kanzlerin möchte den Österreichern Bregenz abkaufen, um famose Operninszenierungen demnächst unter lauem Sommerhimmel mit entsprechend erfrischenden Brisen während der Vorstellungen genießen zu können. Österreichs derzeitige Chefin Brigitte Bierlein zeigte sich durchaus interessiert, wenn ihr auch das Gegenanbot von Angela Merkel noch nicht so recht behagt, wie sie in einem Video sagt, das während des Gesprächs heimlich aufgenommen und zur Prime-Time im ORF gesendet wurde.

Darin machte Angela Merkel ihrer Kollegin unmissverständlich klar, dass sie bzw. Berlin bzw. die Bundesrepublik bereit ist, auf Bayern zu verzichten. Frau Bierlein hätte lieber Sylt gehabt, da, wie sie behauptete, Österreich an keiner Stelle an ein Meer grenze und sie doch so gerne in einem Strandkorb die Sonnenuntergänge beobachte. Die beiden Frauen verabschiedeten sich in sehr freundschaftlicher Atmosphäre, da Angela Merkel versprach, Bierleins Anliegen wohlwollend zu prüfen und gleich nach der Sommerpause auf die Tagesordnung zu setzen. Damit, aber auch dies ist bitte vertraulich zu behandeln, erschöpfen sich die Pläne unserer ersten Bürgerin in Sachen kultureller Expansion mitnichten.

Nur ein Wort: Verona! In dieser Arena geht selbst dem unmusikalischsten Stoffel, für den Verdi nur eine lästige Gewerkschaft ist, das Herz auf. Die Verhandlungen zum  Kauf Veronas sind allerdings seit zwei Tagen ins Stocken geraten, da in Rom das pure Chaos herrscht (was nun allerdings auch keine so neue Nachricht ist, da es seit Ende des Zweiten Weltkriegs praktisch Dauerzustand im Land ist, wo die Zitronen blühn). Angela Merkel jedoch, so Regierungssprecher Steffen Seibert, gebe die Hoffnung so schnell nicht auf, die mittelalterliche Stadt in Venetien demnächst dem deutschen Reich, pardon, der Bundesrepublik einzugliedern, um einen weiteren kulturell wertvollen Ort unter ihre Regierungsgewalt zu bringen.

Überhaupt scheinen im Moment grenzübergreifende Land- und Immobilienkäufe en vogue zu sein. Emmanuel Macron hat Interesse am US-Bundesstaat Louisiana mit New Orleans durchblicken lassen. Das sei zwar nicht die Hauptstadt des Landes, so der französische Staatspräsident, aber großzügig, wie er nun mal ist, erklärte er sich bereit, den Amerikanern freien Zugang zu Baton Rouge als exterritorialem Gebiet zu gewähren – zumindest für die nächsten 25 Jahre. Präsident Erdogan wiederum winkt mit üppigen Lira-Bündeln Richtung Berlin-Kreuzberg. Die Gegend, so der Politiker, hieße doch im Volksmund ohnehin schon Klein-Istanbul. Wenigstens über eine Stadt dieses Namens möchte er weiterhin die Herrschaft behalten.

Rein privater Natur dagegen, so beeilt man sich aus dem Rathaus Trier zu versichern, seien die in letzter Zeit auffällig häufigen Besuche Wolfram Leibes bei Xavier Bettel gewesen. Den Trierer OB verbinde mit dem luxemburgischen Premierminister eine freundschaftliche Verbindung, so ein Sprecher, und im Übrigen werde man laufende Verkaufsverhandlungen ohnehin nicht kommentieren.

Auf der Seebühne in Bregenz präsentieren die Festspiele in diesem Sommer Giuseppe Verdis Opernklassiker „Rigoletto“ in einer Neuinszenierung von Philipp Stölzl.  Aus dem See ragt der knapp 14 Meter hohe Kopf eines Clowns – Ebenbild des Hofnarren Rigoletto. Foto: picture alliance/dpa/Felix Kästle

Derjenige, der diesen weltweiten Immobilienhandel angestoßen hat, wälzt sich derweil wütend auf dem Fußboden des Oval Office im Weißen Haus, wie es so seine Art ist, wenn er was nicht kriegt, das er unbedingt will. Mit Grönland hat es ja nicht geklappt, weil die Dänen einfach zu blöd sind, einen Deal zu erkennen, wenn sie einen vor die Nase gehalten bekommen. Aber vielleicht kann er ja eines jener von ihm so diplomatisch geschickt „Scheißlöcher“ genannte Länder in Afrika erwerben, in das er dann auch gefälligst seinen Wohnsitz verlagern möge. Oder besser noch: Er kauft den Mond. Auf den zu schießen ist zwar nicht ganz billig, aber es dürften mehr als genügend Spendengelder zusammenkommen, um die Kosten für eine Reise ohne Wiederkehr zu decken. Rainer Nolden

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