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Die Kulturwoche: Der Himmel über Holland, die Wolke über Washington

„Gewitter über Dordrecht“ (1645) von Aelbert Cuyp ist eines der Werke, die in der Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen sind. Foto: dpa
„Gewitter über Dordrecht“ (1645) von Aelbert Cuyp ist eines der Werke, die in der Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen sind. Foto: dpa FOTO: Wallraf-Richartz-Museum (epd-West)
Unsere Nachbarn, die Niederländer, sind nicht nur berühmt für ihre kilometerlangen weißen Nordseestrände, sondern auch für ihre Landschaftsmaler. Die liebten den Himmel, der sich über ihr Land wölbte. Rainer Nolden/dpa

Dabei erwiesen sie sich als so genaue Beobachter, dass man von ihren Werken noch heute das damalige Wetter ablesen kann - sagt Franz Molé vom Deutschen Wetterdienst in Essen nach einer Auswertung von 20 Himmelsbildern für die Ausstellung "Heiter bis wolkig" (bis 1. Februar im Wallraf-Richartz-Museum in Köln).

So könne man von der Stellung der Windmühlenflügel auf den Gemälden die Windrichtung ableiten. Auch eine abendliche Hochdruckrandlage lasse sich eindeutig erkennen. Dabei müsse man allerdings bedenken, dass das Wetter in Europa im 17. Jahrhundert anders gewesen sei. Das Problem war damals keine Klimaerwärmung, sondern das Gegenteil davon: eine kleine Eiszeit. Allerdings halten sich die Bilder nicht sklavisch an Tageszeiten, wie Anja Sevcik, die Leiterin der Barockabteilung des Museums, betont. Zum Beispiel würden einmal morgendliche Fischverkäufer am Strand von Scheveningen vor einem Abendhimmel dargestellt - einfach weil's so schöner aussieht. So viel künstlerische Freiheit muss auf einem Gemälde natürlich, erlaubt sein. Die Frage bleibt aber, ob der Fisch bei Sonnenuntergang nicht längst zu stinken begonnen hat …

Das große Stühlerücken an Berliner Kulturstätten hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Der eine geht (Peymann), der andere nicht ganz freiwillig (Castorf), der dritte wird geholt und gleich ausgebuht (Dercon). Für eine verlorene (oder besser: vertriebene?) Tochter wird eigens ein Stuhl dazugestellt: Sasha Waltz kehrt zu ihren Wurzeln zurück: Nach zwölf Jahren zeigt die Choreographin in Berlin wieder ein neues Stück für das Tanztheater. Waltz, die mit ihrer Truppe auch Stammgast am Luxemburger Grand Théâtre ist, hatte in der Stadt ihre ersten großen Erfolge. Dann fühlte sie sich von der Berliner Kulturpolitik stiefmütterlich behandelt und drohte, mit ihrer Compagnie "Sasha Waltz & Guests" wegzuziehen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur, dass Waltz ab 2019 Ko-Intendantin des Staatsballetts Berlin wird, zusammen mit dem Schweden Johannes Öhman. Am 9. Juni bringt sie eine Neuproduktion für das Tanztheater auf die Bühne. In ihrem Stück "Kreatur" lässt sie 14 Tänzer Fragen von Macht und Ohnmacht in einer zerrissenen Gesellschaft nachgehen. Das Stück habe eine "düstere Grundhaltung", sagt Waltz. Zur Vorbereitung habe sie mit den Tänzern das frühere Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besucht. In den Berichten früherer Insassen sei die Ohnmacht der Gefangenschaft auch körperlich spürbar geworden. Apropos düstere Grundhaltung: Zum Schluss noch, dieser Tage ja wohl kaum zu vermeiden, rasch ein Blick nach Washington - oder beziehungsweise zu den Medien und Menschen, die sich mit dem dortigen politischen Personal beschäftigen.

Den abgehackten Präsidentenkopf hat die US-Komikerin Kathy Griffin den ihren gekostet, will sagen: Ihr Haussender CNN hat die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin beendet. Türkische Verhältnisse inzwischen also auch in den USA. Geschickter geht das altehrwürdige Magazin New Yorker vor, dessen Klientel sich gern als intelligent und intellektuell sieht und allein daher schon im Weißen Haus keine Leser hat: In seinem jüngsten Cartoon zeigt es das Ego des Präsidenten in einer monumental aufgeblasenen Wolke in Kotzlila, von der synästhetisch begabte Leser sich durchaus vorstellen können, dass sie gewaltig stinkt. Zum Größenvergleich schwebt eine winzige Banane darunter (an wen mögen die Zeichner bei diesem geschrumpelten Phallussymbol wohl gedacht haben??), die an einem Ende immerhin spitz genug ist, diese Wolke zum Platzen zu bringen. Könnte bitte irgendjemand endlich zustechen.

Ist beim Sender CNN in Ungnade gefallen: US-Komikerin Kathy Griffin. Foto: dpa
Ist beim Sender CNN in Ungnade gefallen: US-Komikerin Kathy Griffin. Foto: dpa FOTO: Rich Fury (Invision/AP)