1. Meinung

Die Kulturwoche von Rainer Nolden über Georg Baselitz und Lenny Kravitz

Kulturwoche : Freier Geist und spendabler Mensch

Rocksänger, Musiker, Songwriter, Musikproduzent und Schauspieler war er bisher. Seit einiger Zeit kann er noch einen weiteren Beruf in seinen Lebenslauf schreiben: Fotograf. Das alles kann und macht Leonard Albert Kravitz, genannt Lenny, 1964 in Brooklyn, New York City, geboren.

Die Leica Galerie in München zeigt bis zum 30. Juni 27 Schwarz-Weiß-Fotografien unter dem Titel „Drifter|Flash“. „I am a drifter“ – so beschreibt der Künstler sich selbst: ein Herumtreiber, ein Landstreicher. Etwas netter übersetzt: „Ich bin immer unterwegs – ein freier Geist, offen für Abenteuer.“ Seit er mit 15 aus seinem Elternhaus auszog, ist die Welt sein Zuhause. Die ersten fotografischen Erfahrungen von Lenny Kravitz reichen bis in seine früheste Kindheit zurück: Sein Vater war Bildjournalist für NBC und später Film- und Fernsehproduzent. „Ich spielte früher mit der Leica Kamera meines Vaters, hatte aber keine Ahnung, wie man sie benutzt. Ich fühlte mich von der Kamera und dem Design angezogen“, erzählt er. Als Musiker wurde er dann selbst zum Objekt der Fotografen. Mit einigen von ihnen freundete er sich an, „ging in ihre Dunkelkammer und Studios, sah ihnen bei der Arbeit zu. Ich fand es magisch“. Mit dem Bildband „Flash“, der von zahlreichen Ausstellungen begleitet wurde, hatte Kravitz dann erstmals 2015 Erfolg als Fotograf. Mit den 27 Exponaten der Münchner Ausstellung beweist Kravitz, dass er nicht nur die Gitarre, sondern auch die Kamera beherrscht. Er nimmt den Betrachter mit auf eine Reise, präsentiert neben intimen Porträts und lakonischen Momentaufnahmen ebenfalls genau beobachtete Straßenszenen sowie Stillleben. Sein Gespür für den besonderen Moment ermöglicht Bilder, die zeitlos erscheinen und darüber hinaus sehr viel über den Autoren und seine Sicht auf die Welt berichten.

Ein Geschenk der besonderen Art hat der Maler Georg Baselitz der Wiener Albertina gemacht: 50 seiner Meisterzeichnungen, entstanden zwischen 1962 und heute, kann das Museum seiner Baselitz-Sammlung hinzufügen, die bereits zu den größten und wichtigsten der Welt zählt. Der Künstler, 1938 im sächsischen Deutschbaselitz (daher sein Pseudonym; eigentlich heißt er Hans-Georg Kern) geboren und mittlerweile österreichischer Staatsbürger, traf eine Auswahl von – wie er selbst befand – den besten und wichtigsten 180 Zeichnungen und Aquarellen: aus diesen kann die Albertina 50 für ihre Sammlung auswählen. Sein Markenzeichen: Seit 1969 malt er seine Bilder auf dem Kopf, was ihn und sein künstlerisches Schaffen bis heute unverkennbar macht. Neben der Albertina hat der Künstler auch die Morgan Library in New York mit einer großzügigen Stiftung bedacht. Sie erhält ebenfalls 50 Zeichnungen. no