die Kulturwoche von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden

Die Kulturwoche von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden : Beliebtes, Bezauberndes, Bestürzendes

Zumindest bei der Kunst klappt die grenzüberschreitende Verständigung problemlos. Während sich die Horrorclowns der Politik (hier bitte die Namen der üblichen Verdächtigen an den Rand notieren) sich beharken wie amphetaminvergiftete Kampfhähne auf Crackentzug, reichen sich Denver und das im aus Oval-Office-Sicht verhassten Deutschland liegende Potsdam die Hände: Im Denver Art Museum eröffnete jüngst eine große Ausstellung über den französischen Künstler Claude Monet (1840-1926) –  rund ein halbes Jahr, bevor sie im Museum Barberini in Potsdam zu sehen sein soll.

Die Schau zeige mehr als 100 Werke des impressionistischen Malers, teilte das Kunstmuseum in Denver im US-Bundesstaat Kansas mit. „Wir sind begeistert, dass wir so eine monumentale Ausstellung organisieren können, die eine neue Perspektive auf diesen beliebten Künstler bieten wird“, sagte Christoph Heinrich, der deutsche Direktor des Denver Art Museum. „Die Besucher werden Monets kreativen Prozess und wie er sich von den Konventionen der traditionellen Landschaftsmalerei löste, dadurch besser verstehen.“ In Denver bleibt die Schau bis zum 2. Februar – ab dem Frühjahr 2020 soll „Claude Monet: The Truth of Nature“ dann in Potsdam zu sehen sein.

Wer Venedig als Reiseziel angibt, sollte dies möglichst keinem Venezianer anvertrauen. Denn die sind auf Touristen schon seit längerem nicht mehr gut zu sprechen. Man muss allerdings auch nicht gen Italien ziehen, um die Lagunenstadt zu bewundern. Eine ökologisch wie ökonomisch vernünftige Alternative bietet sich derzeit in Stuttgart. Die Staatsgalerie erweist derzeit „La Serenissima“, der „Allerdurchlauchtigsten, ihre Reverenz. Der Stadt kommt als Kunstlandschaft eine besondere Stellung zu. Die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse in der Lagunenstadt, die vom reflektierenden Wasser umgeben ist, inspirierten nicht nur die venezianischen Maler, sondern vor allem auch die Zeichner. Rund 20 von ihnen sind mit einem halben Hundert Bilder in der Schau vertreten, darunter Jacopo Tintoretto (1518–1594), Paolo Veronese (1528–1588), Sebstiano Ricci (1659–1734), Giovanni Battista Piazzetta (1682–1754) und Giuseppe Bernardino Bison (1762–1844). Sie repräsentieren die unterschiedlichen Facetten der Venezianischen Zeichenkunst vom 16. Jahrhundert bis zum Niedergang der Republik Venedig im 18. Jahrhundert. Die Staatsgalerie selbst steuert Werke aus dem Bestand ihrer Graphischen Sammlung bei. Die Ausstellung ist bis 2. Februar zu sehen.

Rau, ruppig und politisch unbequem: In krassem Kontrast zu den venezianischen Impressionen steht eine Ausstellung im Kölner Käthe Kollwitz Museum mit Berliner Kunst zur Kaiserzeit. Für Wilhelm II. war sie „Rinnsteinkunst“, ein Vorläufer im Geiste quasi der „entarteten Kunst“. Was dem später auch als „Kriegsverbrecher“ titulierten, in Unehren geendeten Monarchen stank: Die Künstler der Berliner Secession um 1900 widmeten sich erstmals dezidiert sozialen Themen. Sie begründen eine spezifisch berlinische Tradition des sozialkritischen Realismus, die in der Kunst der Weimarer Republik ihre konsequente Fortsetzung findet. Mit der Ausstellung „Berliner Realismus. Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix“ präsentiert das Käthe Kollwitz Museum Köln mehr als 120 Werke – von Ölmalerei, Zeichnung und Druckgrafik über Plakatkunst und Fotografie bis hin zum Film – und spannt gleichzeitig einen Bogen von den 1890er bis in die 1930er Jahre. Wie ein roter Faden zieht sich die Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen in Deutschland durch die Berliner Kunst. Deren berühmteste Vertreter waren neben Käthe Kollwitz (1867-1945) unter anderem Heinrich Zille (1858-1929), Willy Jaeckel (1888-1944), Otto Dix (1891-1969) und George Grosz (1893-1959). Zu sehen sind auch Fotografien von August Sander (1876-1964) und Friedrich Seidenstücker (1882-1966) sowie im Rahmenprogramm zwei Hauptwerke des proletarischen Films: „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ (1929), ein Höhepunkt des Weimarer Kinos am Ende der Stummfilmzeit, für den Käthe Kollwitz ein Plakat in einem für ihr Werk außergewöhnlich großen Format geschaffen hat, sowie „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“ (1932), ein Musterbeispiel für Agitprop und ein Klassiker der modernen Filmkunst mit Texten von Bertolt Brecht und Musik von Hans Eisler. Die Ausstellung dauert bis zum 5. Januar. no/dpa

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