1. Meinung

Oper ohne Chef und ein senkrechter Wald

Oper ohne Chef und ein senkrechter Wald

Vergangene Woche durften die Verantwortlichen im Düsseldorfer Schauspielhaus aufatmen. Denn Wilfried Schulz, neuer Hoffnungsträger aus Dresden, will als neuer Intendant der krisengeplagten Bühne in der NRW-Landeshauptstadt neues Leben einhauchen.

In Wuppertal hat sich dagegen diese Woche ein schon lange verbreitetes Gerücht bestätigt: Opernintendant und Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2019 lief, geht vorzeitig. Er verlässt mit Ende der Spielzeit 2015/2016 die Stadt, die sich nun überraschend nach einem neuen Chef für Oper und Sinfonieorchester umschauen muss. Kamioka geht zurücknach Japan und wird dort ein Sinfonieorchester leiten. Er hatte der Stadt vorgeschlagen, zwei Monate in Japan zu arbeiten - und dabei seine Wuppertaler Positionen zu behalten. Darauf wollte man sich im Kulturausschuss aber nicht einlassen - nach der Devise: ganz oder eben gar nicht.

Bis 2019 weitermachen darf dagegen der langjährige Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den Vertrag mit dem 66-jährigen "Mister Berlinale" verlängert, wie das Festival am Mittwoch verlauten ließ. Kosslick ist seit Mai 2001 Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Dort werden vom 5. bis 15. Februar wieder die Hollywood-Stars über den roten Teppich flanieren - und um die beliebten Bären-Preise wetteifern.

Nicht ganz so bekannt dürfte der Internationale Hochhauspreis sein, der alle zwei Jahre von Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank vergeben wird. Der Gewinner 2014: ein Mailänder Wohnkomplex mit dem schönen Namen "Bosco verticale", "senkrechter Wald". Die Fassaden schmücken 800 Bäume und Tausende Büsche. In jedem der 27 Stockwerke wächst, je nach klimatischen Bedingungen, eine andere Pflanzenart. Das Projekt des Architekten Stefano Boeri habe Pionierarbeit für die Bepflanzung von Hochhäusern geleistet und könne als Prototyp für die Städte von morgen gelten, sagt die Jury. Na dann, liebe Städteplaner, lassen Sie sich inspirieren!

Einer, der mit Inspiration nie ein Problem hatte, war der Kabarettist Dieter Hildebrandt. Er galt als satirisches Gewissen der Nation. Vor einem Jahr starb Hildebrandt. Seine Ehefrau Renate will nun die Schreibmaschine des Kultkomikers dem Deutschen Kabarett-Archiv in Mainz übergeben und damit an ihren Mann erinnern. cweb/dpa