Unterm Strich - die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Kolumne : Skandale und Skandälchen

Was haben Berlin, Hamburg, Köln und Stuttgart gemeinsam? Richtig – die kriegten und kriegen ihre Bauprojekte, sei es ein Flughafen, sei es ein Bahnhof, eine Konzerthalle oder ein Opernhaus, nur mühselig fertig – wenn überhaupt.

Ans Ende der Schlange der „Spätis“ darf sich nun Bonn anstellen. Die haben Knatsch mit ihrer Beethovenhalle. Deren Fertigstellung verzögert sich weiter. Statt des zuletzt genannten Termins im Jahr 2022 könnte die Sanierung nun Mitte 2024 beendet sein, erklärte die Stadt. Die Halle sollte eigentlich Hauptspielort der Feiern zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven (1770-1827) im kommenden Jahr werden. Dass der Jubeltag des – Achtung, Floskel! – „berühmtesten Sohnes der Stadt“ irgendwann anstehen würde, zeichnete sich ja schon länger ab – genau genommen 250 Jahre. Da hätte man das marode Konzertgebäude eigentlich schon ein paar Jährchen früher aufpäppeln können. Aber getreu dem rheinischen Motto „Et hätt noch immer jot jejange“ hat man sich wohl ein bisschen zu lange dem süßen Nichtstun hingegeben. Oder sich mit der zweiten rheinischen Weisheit getröstet: „Et kütt, wie et kütt.“

Ein Skandal  ganz anderer Art erschüttert derweil Mexiko. In anderen Ländern wäre man vermutlich achselzuckend darüber hinweggegangen. Nicht jedoch im Land der Machos und des Machismos. Da ist ein Mann noch ein Mann, und wehe, jemand zweifelt daran. Mehrere Dutzend Landarbeiter aus dem Bundesstaat Morelos blockierten jüngst den Eingang des Palasts der Schönen Künste in Mexiko-Stadt. Und aus welchem Grund? Weil ihr Nationalheld Emiliano Zapata nackt und mit hochhackigen Schuhen porträtiert wurde. Der legendäre Revolutionsgeneral (1879-1919) mit dem markanten Schnurrbart reitet hüllenlos auf einem weißen Pferd, und nicht der Reiter, sondern sein Pferd hat einen erigierten Penis. Prompt kündigte Zapatas Enkel Jorge Zapata  an, das renommierte Kunsthaus und den Urheber des unerhörten Machwerks, den Maler Fabián Cháirez, zu verklagen. Der wolle ja nur Bekanntheit erlangen. Aber vielleicht ist ja was dran am Gerücht: In dem Werk „The Posthumous Career of Emiliana Zapata“ munkelt der Autor Samul Brunk, Mexikos gay community sei davon überzeugt gewesen, dass der Mann einer der ihren war und den Macho nur gespielt habe. Mal ehrlich: Nach hundert Jahren, die Zapata jetzt schon tot ist, könnte es doch eigentlich allen piepegal sein, mit wem er in die Kiste gehüpft ist. no/dpa