Unterm Strich - die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich - die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Ist das Kunst, oder kann man das essen?

Dass Kunst auch auf dem Teller serviert werden kann, ist spätestens seit den 1960er Jahren nichts Besonderes. Damals hatte der Schweizer Künstler Daniel Spoerri in der Düsseldorfer Altstadt in Sichtweite des Schlossturms ein Lokal mit Galerie eröffnet, wo er die Reste von beendeten oder abgebrochenen Mahlzeiten mit Leim und Konservierungsstoffen fixierte, um so plastische Momentaufnahmen zu schaffen, die er dann ausstellte.

Es handelt sich quasi um dreidimensionale Stillleben. Dazu servierte er  zusammen mit dem Schweizer Wirt Carlo Schröter exotische Speisen wie Walfischflossensüppchen (okay, der Wal ist kein Fisch, aber so stand es nun mal auf der Speisekarte) oder Termitenomelette, die von wagemutigen Gästen bestellt und von den noch wagemutigeren sogar verspeist wurden. Hier stellte sich zum ersten Mal die Frage, die Jahrzehnte später, leicht abgewandelt, zum geflügelten Spruch wurde: Ist das Kunst, oder kann man das essen? Diese Idee hat nun das New Yorker Whitney Museum wieder aufgegriffen. Eine Ausstellung des US-Künstlers Darren Bader zeigt verschiedene Obst- und Gemüsesorten – etwa eine Ananas, einen Kopfsalat oder eine Tomate, fein säuberlich angeordnet auf Holzsockeln. Als „makellose Skulpturen der Natur“ bezeichnet Bader diese. Bevor sie aber verfaulen, werden sie durch neue ersetzt – und Museumsmitarbeiter machen viermal die Woche Salat aus den alten Ausstellungsstücken. Besucher dürfen mitessen.

Noch mal zurück in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Dass ein Bau- oder Sanierungsprojekt ein gutes Ende nehmen kann, ist ja mittlerweile eher die Ausnahme in der Baurepublik Deutschland. Eine davon kann jetzt in Düsseldorf bejubelt werden: Die seit 2016 dauernden Sanierungsarbeiten am dortigen Schauspielhaus stehen kurz vor dem Abschluss. Gut 60 Millionen Euro hätten die Arbeiten gekostet, teilte die Stadt  mit. Das Gebäude mit der geschwungenen Fassade in der Düsseldorfer Innenstadt, entworfen von dem Architekten Bernhard Pfau (1902 – 1989), war am 16. Januar 1970 eröffnet worden. Fast auf den Tag genau wird nun das restaurierte Halbhundertjährige gefeiert, und das gleich zwei Wochen lang – unter anderem mit einer Neuinszenierung des Brecht-Dramas „Leben des Galilei“ Premiere, in dem Schauspieler Burghart Klaußner die Titelrolle übernimmt.

Dass deutsche Filme in Amerika Kinosäle füllen, wäre wohl eine leichte Übertreibung. Umso erstaunlicher ist es, dass „das größte deutschsprachige Filmfestival in den USA“ (so patriotisch beschwingt die Deutsche Presse-Agentur) immerhin 10 000 Besucher im vergangenen Jahr angezogen hat. In diesem nun präsentieren das Goethe-Institut und das Szene-Kino Castro Theatre in San Francisco zum 24. Mal das Festival „Berlin & Beyond“ mit Spielfilmen, Dokus und Kurzfilmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und es gibt auch einen kleinen Oscar zu gewinnen, nämlich den „Spotlight Award“. Den bekommt Christiane Paul für ihre Rolle als Astrid,  die frisch verliebt mit ihrem Lover nach Budapest reist, wo sie zufällig ihrer ersten DDR-Jugendliebe begegnet. Ihr Partner in „Was gewesen wäre“ (Regie: Florian Koerner von Gustorf) ist Ronald Zehrfeld, der auf den Preis der Kollegin allerdings nicht eifersüchtig zu sein braucht: Er hat ihn nämlich selbst schon vor sechs Jahren für seinen Film „Phoenix“ bekommen.

Schlechte Nachrichten für Feministinnen: Aus James Bond wird niemals eine Jane Bond werden. Das erzählte die Produzentin Barbara Broccoli (59) dem US-Branchenblatt „Variety“ anlässlich der letzten Vorbereitungen für den 25. Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“, der ab April zu sehen sein wird. „Er kann jede Hautfarbe haben, aber er ist männlich“, sagte Broccoli über den Geheimagenten ihrer Majestät. Die US-Produzentin sprach sich dafür aus, „starke weibliche Charaktere“ zu schaffen. Kein Interesse habe sie daran, eine männliche Figur zu nehmen und von einer Frau spielen zu lassen. „Ich denke, Frauen sind weitaus interessanter als das“, betonte Broccoli. Und dieser Satz ist, liest man ihn zum 10. Mal oder noch öfter, wirklich hinterfotzig, besagt er doch – und das gar nicht mal so implizit –: Männer sind langweilig. no/dpa