1. Meinung

Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Von Katzen und Klängen

Hand hoch – wer kennt Bent Fabricius-Bjerre? Na? Das haben wir uns fast gedacht. Kein Mensch. Aber etwas von dem Mann kennt jeder. Dazu weiter unten mehr. Der dänische Pianist und Komponist, der unter dem Namen Bent Fabric Karriere gemacht hat, wurde 1924 in Frederiksberg bei Kopenhagen geboren und ist am 28. Juli im Alter von 95 Jahren gestorben.

Schon mit 17 hatte er seine eigene Jazzband, Anfang der 1960er Jahre bekam er eine eigene Fernsehshow, „Omkring et flygel“, zu deutsch: Rund um das Klavier. Für diese Sendung fiel ihm eine Erkennungsmelodie ein, die er jeweils zum Ende des Programms mit dem jeweiligen Gaststar interpretierte und die sich allmählich vom überschaubaren Dänemark aus über einen Großteil der Welt verbreitete. Und da sein Kind einen Namen brauchte, nannte er es „Alley Cat“, womit einerseits eine streunende Katze gemeint ist und – in der nicht jugendfreien Version – eine Bordsteinschwalbe. Der Song mit der munter dahin klimpernden Klaviermelodie und einem geradezu impertinenten Ohrwurmcharakter wurde allein in Amerika mehrere Millionen Male verkauft und kletterte auf den Platz sieben der Hitparade. Außerdem bekam sein Schöpfer dafür einen Grammy. Das Lied ist bis heute einer der meistgespielten dänischen Songs; hierzulande ließ unter anderem Paul Kuhn den Kater über die Tasten schleichen, und als die erste skandinavische Pop-Welle, lange vor Abba, über Deutschland hinwegschwappte, war es die Schwedin Siw Malmquist („Liebeskummer lohnt sich nicht“), die den „Schwarzen Kater Stanislaus“ 1962 mitbrachte. Die Alley Cat war so dominant in Fabrics Leben, dass seine anderen Kompositionen, knapp 50 Film-und Fernsehmusiken (unter anderem für die „Olsen-Bande“), im Schatten dieses Tieres blieben.

Bleiben wir bei den Klängen aus der Vergangenheit. Hat sie überhaupt einen Klang? Dieser Frage geht derzeit das Berliner Haus der Kulturen der Welt nach. Die Ausstellung „A Slightly Curving Place“ beschäftigt sich (noch bis 20. September) mit den Arbeiten des in Indien arbeitenden Klangarchäologen Umashankar Manthravadi. Mindestens so kompliziert wie sein Name für westliche Ohren klingt die Methode, mit der er zu Werke geht: Er hat ambisonische Mikrofone gebaut, mit denen Klangfelder aufgenommen werden und klangliche Eigenschaften eines Raumes erfasst werden können. Manthravadi hat auf diese Weise historische Aufführungsstätten vermessen.

Für die Ausstellung hat die aus Indien stammende Kuratorin Nida Ghouse mit ihrem Team im Haus der Kulturen der Welt die Arbeiten Manthravadis aufgegriffen und weiterentwickelt. In einem zentralen Raum sind 21 Lautsprecher installiert, die ein raumgreifendes Klangbild erzeugen. Den sonst leeren, grau-weißen Raum bestimmt eine leicht geschwungene Stufenkonstruktion, die in Verbindung mit der wechselnden Lichtinstallation Grundformen eines antiken Theaters anzunehmen scheint. Das dabei zu hörende Stück ist aus neun verschiedenen Teilen zusammengesetzt. Verbunden wurden dafür etwa aktuelle und historische Aufnahmen an archäologischen Stätten, Klänge, Bewegungen, Texte oder Stimmen. Jeder Klang, jeder Sound sei bereits Vergangenheit, sagte Kuratorin Ghouse während der Präsentation. In der Ausstellung kann über die Klänge einer Vergangenheit nachgespürt werden, die heute nicht mehr hörbar ist. Ohne ein einziges Klangbeispiel gehört zu haben wagen wir die Behauptung: „Alley Cat“ geht leichter ins Ohr. no