1. Meinung

Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Spaßbremsen überall

Eine Nachricht, die die Welt in Aufruhr versetzen dürfte: „Düsseldorfer Karnevalsauftakt soll ohne Alkohol stattfinden“, meldet der Spiegel in seiner Online-Ausgabe. Das ist in etwa so, als würde man Weihnachten ohne Tannenbaum – nein, besser ohne Glühwein – zelebrieren wollen oder Ostern ohne Cognac-Eier, wenn man den Gedanken vom Abstinenz-Feiern weiterspinnt.

Dieser Forderung liegt freilich ein grundsätzlicher Irrtum zugrunde: Offenbar glauben die Menschen im karnevalsfeindlichen Rest der Republik nach wie vor, dass närrische Stimmung nur dank Promille auf- und ausgebaut werden könne. Dabei ist der typische Rheinländer, besoffen oder nüchtern, per se stets auf Kontakt zum Nachbarn aus. In dieser Beziehung nehmen die Strom-Anwohner das Markus-Evangelium (12, 28-37) sehr ernst. Das verbindet sogar die Kölner mit den Düsseldorfern, was ansonsten nur der Rhein schafft. Nur: Wenn am 11. 11. um 11 Uhr 11 wie seit nunmehr 150 Jahren die Massen auf den Düsseldorfer Rathausplatz strömen, um den Hoppediz zu revitalisieren, muss natürlich auch geschunkelt werden, sonst bemüht sich der entfernte Verwandte von Till Eulenspiegel gar nicht erst aus seinem Mostertfass (für Nicht-Rheinländer: Senftopf). Und jetzt schunkeln Sie mal mit 1,50 Meter Abstand! Sieht bestimmt drollig aus. Also, die ganze Chose könnte übel in die Hose gehen, und wenn dann nicht mal Hochprozentiges fließen darf, um sich den Event wenigstens ein bisschen schön zu trinken, dürfte der Start in die fünfte Jahreszeit alles andere als heiter werden. Das befürchtet sogar der Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval, Hans-Jürgen Tüllmann: „Die Lage ist für alle Karnevalisten äußerst unbefriedigend“.

Noch so eine Spaßbremse kommt aus Kanada: Die oberste Medizinerin des Landes und Chefin der Behörde für öffentliche Gesundheit, Theresa Tam, schlägt vor, zum Schutz gegen das Virus eine Maske beim Sex zu tragen. Sie riet auch dazu, aufs Küssen zu verzichten und Berührungen der Gesichter zu vermeiden. Derlei Praktiken dürften bei Betreibern sowie ganzkörperkostüm-affinen Besuchern von Sadomaso-Studios vielleicht auf offene Ohren stoßen. Aber ob das für Otto Normalverbraucher so eine tolle Nummer wird – mit unten Schutz (empfohlen bei Erstkontakten) und oben Schutz (dito)? Die Romantik – für manche Menschen obligater Bestandteil derartiger Begegnungen – könnte auf der Strecke bleiben, wenn es demnächst heißt „Schatz, maskier dich, ich komme gleich.“ Wenigstens hat Mrs. Tam noch einen Tipp parat für jene, die wirklich auf Nummer Sicher gehen wollen (und für den fromme Katholiken früher den Beichtstuhl aufsuchen mussten): „Die sexuelle Aktivität mit dem niedrigsten Risiko ist jene, an der nur Sie allein beteiligt sind.“ Da fällt einem doch prompt der zuletzt so viel gescholtene Woody Allen ein: „Masturbation ist Sex mit jemandem, den ich wirklich liebe.“ Und ganz ohne Maske möglich! no