1. Meinung

Unterm Strich – die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Satire, mal echt, mal unfreiwillig

Keiner macht sich ungestraft lustig über Promis und solche, die sich dafür halten. Das muss jetzt auch Oliver Welke erfahren, scharfzüngiger (na ja, nicht immer) Moderator der „heute-show“ (heute Abend um 22.30). Komiker Martin Klempnow, seit Folge 235 Mitglied im Team der Satire-Sendung, ist Teil des Ensembles der neuen Comedy-Show „Binge Reloaded“ (Amazon Prime Video).

Und hat ein Problem: Wenn er sich eine Person ausgesucht habe, in deren Haut er schlüpfen will, schaue er sich so viel Material wie möglich von ihr an. Was dann schon mal dazu führen könne, „dass mir Figuren, die ich parodiere, im Traum begegnen. Vielleicht ist das auch eine kleine Rache von denen“. Kein Wunder, wenn er sich seine Ziele aufs Handy lädt und sich ihre Reden und Redereien täglich acht bis zehn Stunden anhört, um eine Stelle zu finden, „an der ich andocken kann“. Angedockt hat er auch bei Oliver Welke: Den parodiert er auch in seiner neuen Show. Da wird er möglicherweise bald nicht mehr sagen können, ob er tatsächlich in der „heute-show“ mitwirkt oder eben doch nur schlecht träumt.

Bescheidenheit ist eine Zier, mit der sich auch der kanadische Schauspiel-Star Ryan Reynolds (44) schmücken kann: Er will keine Straße nach sich benannt haben. Ein Radiosender in Vancouver, der kanadischen Heimatstadt des Schauspielers, hatte eine entsprechende Petition aufgelegt, die in den sozialen Netzwerken rasch viel Beachtung fand. Normalerweise benenne die Stadt Straßen nur nach bereits gestorbenen Berühmtheiten, aber Reynolds habe es trotzdem verdient, hieß es von dem Radiosender. Reynolds, bekannt geworden mit Filmen wie „Green Lantern“ und „Deadpool“, lehnte die geplante Ehrung aber aus einem anderen Grund ab: „Wenn der Verkehr schlimm ist, würden alle sagen: ,Auf Ryan Reynolds ist Chaos‘ oder ,Auf Ryan Reynolds staut sich alles‘.“ Und den Spaß wolle er seinen Brüdern nicht gönnen.

Dass die AfD auf dem absteigenden Ast ist und im Chaos zu versinken droht, dürfte die wenigsten beunruhigen. Dass das Chaos jetzt auch in den Köpfen der (zumindest geistig) alten weißen Männer und Frauen um sich greift, ist dagegen eher weniger lustig, denkt man doch zuerst an die Kosten für die Allgemeinheit, die die Behandlung von Dementen nach sich zieht. Oder sollten die Rechtsaußen im Angesicht des Niedergangs plötzlich (Galgen-)Humor beweisen (der wiederum eine gewisse Intelligenz voraussetzt)? Die AfD in Nordrhein-Westfalen jedenfalls lud am Mittwoch Journalisten zu einer Veranstaltung mit „Herrn Bernd Höcke“ am 5. Dezember in Höxter ein. Thüringens umstrittener AfD-Chef, der eigentlich Björn mit Vornamen heißt, wird in der ZDF-Satiresendung „heute-show“ (siehe oben) seit Jahren nur „Bernd“ genannt (mögliche Assoziationskette: Bernd das Brot, Brot tiefbraun). Die Düsseldorfer Kollegen von Oliver Welke griffen das natürlich sofort auf: „Interessant. AfD NRW lädt ein zu einer Veranstaltung mit einem gewissen Bernd #Höcke. Das ist dann wohl der Durchbruch“, twitterte das ZDF-Landesstudio NRW und postete einen Screenshot der Einladung. Bleibt die Frage: Durchbruch in welche Richtung? no/dpa